Diango Hernández - Theoretical Beach

22. 05. - 28. 08. 2016 | Museum Morsbroich, Leverkusen
Eingabedatum: 14.05.2016

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Der kubanische Künstler Diango Hernández (*1970) zeigt im Museum Morsbroich erstmals in einer großen musealen Einzelausstellung sein Werk und bespielt die Räume des Schlosses in einer eigens entwickelten Präsentation. Der titelgebende „theoretische Strand“ benennt dabei weniger ein einzelnes Werk als die gesamte Installation, die sich als atmosphärischer Rahmen durch alle Ausstellungsbereiche zieht.
Theoretical Beach umfasst das reizvolle Zusammenspiel von widerstreitenden Prinzipien, von abstrakt-theoretischem Denken und der sinnlich-materiellen Präsenz des Strandes. Mit leichten und spielerischen Gesten verwandelt der Künstler die Räume in tropische Sphären, in denen maritime Architekturen, exotische Früchte und pastellige Farbgebung den Betrachter einstimmen und ihn öffnen für eine Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des Lebens. Diango Hernández wählt das Motiv des Strandes als „Transitzone zwischen Meer und Land“. Er „ist somit der metaphorische Ort, an dem der vom Meer angespülte Suchende, sich seines Seins vergewissert.“ (Stefanie Kreuzer, Theoretical Beach – Theoretischer Strand, Ausst.-Kat. Museum Morsbroich, 2016).
Gekonnt verhandelt Diango Hernández in seinen Arbeiten biografische Erfahrungen und verknüpft sie mit politischen Ideen und Gesellschaftsentwürfen, ohne dabei allzu explizit zu werden. Seine Kindheit und Jugend in Kuba nach der Revolution, die gesellschaftsverändernden Ideen der Moderne, seine Erfahrung der Migration (seit 2003 lebt und arbeitet Hernández in Düsseldorf) sowie das Nachdenken über kulturelle Identitäten bilden die Grundkonstanten seiner Werke.

Während Hernández in früheren Werken sehr häufig auf gefundene und von Lebens- und Gebrauchsspuren gezeichnete Objekte zurückgriff, um seine Arbeiten zu realisieren, ist das bei den eigens für diese Ausstellung konzipierten und geschaffenen Arbeiten eher selten der Fall. So übermalt er beispielsweise Schwarzweiß-Fotografien von Skulpturen aus dem Louvre: Mit maritimen Wellenformen schreibt sich der Künstler damit in die klassische abendländische Kultur ein. Wenn Hernández´ Wellen gegen die Skulpturen anbranden, manifestiert sich auf exemplarische Art und Weise das Bild des „Theoretischen Strandes“.

Zwei Zeichensysteme – das skulpturale und das maritime, sowie die Überlagerung der beiden – rufen eine Vielzahl von Assoziationen hervor, in die unter anderem Fragen nach der
europäischen und der lateinamerikanischen „Identität“ mit anklingen. Leuchter mit exotischen Früchten, die so gut ins barocke Ensemble von Morsbroich zu passen scheinen, schmücken die mit Wellenbildern ausgemalten Räume. Sandbänke laden die Betrachter zum Verweilen ein. In den unterschiedlichsten Arbeiten scheint die Erinnerung des Künstlers an das ihn sozialisierende System seiner Kindheit auf. Diese erschöpft sich aber nicht in einer sehnsuchtsvoll rückwärtsgewandten Sichtweise, sondern nimmt bewusst Bezug auf die aktuellen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Diskurse, an denen sie sich „zu reiben“ scheint. So wie es Roland Barthes in seinem Buch Fragmente einer Sprache der Liebe in einem poetischen Bild beschreibt, wenn er davon spricht, dass die „Sprache eine Haut [ist]: ich reibe meine Sprache an einer anderen. So als hätte ich Worte anstelle von Fingern und Finder an den Enden meiner Worte.“ (Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe, Frankfurt am Main 1988, p. 162.)

Die Insel, das Meer, die tropischen Wirbelstürme, der Grundriss der Wohnung des Künstlers in Havanna, der Verweis auf seine Wohnung in Düsseldorf und die unendliche Wellenbewegung – all diese Elemente formen seinen künstlerischen Kosmos. Die Wellen sind allgegenwärtig in der Installation, sie umspülen alles und geben den räumlichen Rhythmus der Bewegung vor. Zugleich sind sie – zumindest in ihrer Entstehungsphase – Übersetzungen der ausufernden Reden Fidel Castros, dessen Stimme über Jahrzehnte in den kubanischen Medien fast täglich zu vernehmen war.

Diango Hernández schafft im Museum Morsbroich einen offenen, diskursfreudigen Raum, in dem Fragen nach dem menschlichen Sein betrachtet werden: Was macht den Menschen aus? Was bestimmt unser menschliches Dasein? Wie schafft der Mensch die kulturelle Welt? Wie bildet sich kulturelle Identität und was bedeutet in diesem Zusammenhang auch das Übersetzen von Sprache in Bilder und von Bildern in Sprache? Der Besucher trifft am Theoretischen Strand der künstlerischen Sphäre von Diango Hernández auf diese Fragen, die wie die Wellen am Strand immer wieder auf den Menschen zukommen, Fragen, die auch seine eigenen sind.

Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Str. 80
51377 Leverkusen
museum-morsbroich.de

Presse



Diango Hernández:


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- Art Basel 2013

- art berlin 2017

- art cologne 2015

- Biennale of Sydney 2006

- Biennial of Cartagena de Indias 2014

- Bonner Kunstverein

- Dortmunder Kunstverein 2017

- Fellbach Triennale 2013

- Gallery Weekend Berlin 2016

- Kunstverein für die Rheinlande, Düsseldorf 2015

- Kunstverein Lingen 2017

- Liverpool Biennial 2010

- MoMA Collection

- Sammlung Kunstmuseum Liechtenstein

- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD


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