Wiener Glut – Neue Kunst aus Wien und Düsseldorf


Eingabedatum: 04.08.2011

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„Der Krausfakler hat die Fledermausabortfrau ins Bein gebissen weil sie keine Hoffmannsmusterkleider trägt.“
Oskar Kokoschka: Brief an Erwin Lang. In: Agathon-Almanach auf das Jahr 48 des 20. Jhs. Hrsg. v. Leopold Wolfgang Rochowanski, Wien 1947

Der Untertitel, ein für Nicht-Wiener rätselhaftes Zitat, fasst eine Zeit und eine besondere Stimmung in wohl gesetzte Worte: In einem Atemzug kommen Literatur, Architektur, Körper, Mode und Gewalt darin vor und verweisen auf historische Tendenzen im Wien der Wiener Werkstätte. Die um 1903 gegründete Institution steht für die Hinwendung der Angewandten Kunst zur Bildenden, Josef Hoffmann, Kolomann Moser und Adolf Loos waren die Begründer dieses Repräsentationsmodells, das bei allem vereinfachtem Dekor und Reformbekleidung nicht ohne Putti und Parfumkassetten zu Felde zog. (Robert Müller)

Nun ist die Einteilung in Angewandte und Bildende Kunst letztlich Definitionssache. In Abhängigkeit zum jeweiligen Kunstbegriff und dessen Grenzen und Kunstproduktion verlangt die Kunst aber grundsätzlich nach einer gewissen Form der Handwerklichkeit und Anwendung. Die Wiener Kuratorin Barbara Rüdiger (*1983, Wien) hat für KIT 19 KünstlerInnen aus Wien und Düsseldorf eingeladen, die mit ihren Werken weniger die historische Grenzüberschreitung und das Verschleifen antiker Ressentiments in Produktionsmodellen darstellen und auch die gern herbei geredete ´Interdisziplinarität` vernachlässigen. Stattdessen zeigen die Positionen der Künstler die Selbstverständlichkeit, die sich ergibt, wenn verschiedene Assoziationsfelder innerhalb der jeweiligen künstlerischen Praxis souverän ausgelotet werden. Die Überschneidung verschiedener Modelle, als da wären: Mode und Kunst, Mode und Architektur, Kunst und Design sowie Kunst als Musikproduktion, werden zu einem sich lange fortsetzenden Kettenbrief, dessen Schwerpunkt in der Ausstellung Wiener Glut in der Kunstproduktion gesetzt wird. Im Video von Anna Barfuß flanieren anmutige Tiere, gekleidet in High Fashion von Modeikonen wie Hussein Chalayan, Rick Owens und Helmut Lang, am Donaukanal entlang. Der Kanal, einst Hochwasser tragend, dann gezähmt von Otto Wagner, gab der Stadt Wien Struktur und einen Rhythmus, der das Leben in der modernen Großstadt beschleunigen sollte. Im Dunklen der Nacht lässt der Kanal das Vernünftige vergessen, gibt der Vorstellung einen imaginären Raum und verleiht dem Unbewussten Ausdruck.

Künstlerliste: Anna Barfuss, Verena Dengler, ___fabrics interseason (Wally Salner, Johannes Schweiger) in Kooperation mit Robert Gassner, Julian Feritsch, Moritz Fiedler, Julia Hohenwarter, Luisa Kasalicky, Jakob Lena Knebl, kozek hörlonski (Peter Kozek, Thomas Hörl), Roberta Lima, Christian Mayer, Saskia Te Nicklin, Hans Scheirl, Nadim Vardag, Astrid Wagner, Alexander Wissel, Franz Zar

Abbildung: Jakob Lena Knebl
amore ettore, 2011
Foto: Georg Petermichl

Öffnungszeiten: Di–So 11–18 Uhr
Feiertage 11–18 Uhr

KIT – Kunst im Tunnel
Mannesmannufer 1b
D-40213 Düsseldorf
Tel: +49(0)211 8996 243
kunst-im-tunnel.de

Medienmitteilung


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