Reading Ed Ruscha

Ed Ruscha


Eingabedatum: 10.07.2012

bilder

Ed Ruscha,Reading Ed Ruscha,Ausstellungsansicht 1. OG,Kunsthaus Bregenz,Foto: Markus Tretter,© Ed Ruscha, Kunsthaus Bregenz

Ed Ruscha (geboren 1937), dessen Werk sich immer wieder gängigen Kategorisierungen entzieht, zählt zu den bedeutendsten Künstlern seiner Generation. Während er zu Beginn seiner Karriere der Pop Art und später der Konzeptkunst zugerechnet wurde, lässt sich heute im Rückblick feststellen, dass es eben auch eine Qualität seiner Arbeit ist, sich nie auf eine bestimmte Stilrichtung oder ein Medium festzulegen. So werden von ihm beispielsweise Künstlerbücher, Zeichnungen, Drucke, Fotografien sowie Malerei gleichberechtigt nebeneinander verwendet, und mitunter nutzte er so unkonventionelle Materialien wie Schießpulver, Fruchtsaft, Kaffee oder Sirup, um damit seine Zeichnungen und Drucke anzufertigen.
Bei aller Divergenz der Stile und Mittel gibt es aber auch Konstanten im Werk von Ed Ruscha. Hierzu zählt die Verwendung von Schrift – sei es in Form von Druckmedien oder gemalt auf der Leinwand –, die sich von Beginn seiner Karriere an bis heute wie ein roter Faden prominent durch sein Œuvre zieht. Parallel zu seinem Kunststudium in Los Angeles hat Ed Ruscha als Schildermaler und für Werbeagenturen gearbeitet, für die er unter anderem Layoutmethoden und Drucktechniken studierte, die ihm später bei seinen eigenen frühen Publikationen nützlich wurden.
Schon Anfang der 1960er Jahre entstanden seine heute legendären Künstlerbücher, in denen er beispielsweise Fotos der Tankstellen auf der Strecke von seinem Wohnort Los Angeles nach Oklahoma – wo seine Familie lebte – zeigt (Twentysix Gasoline Stations, 1963) oder alle Häuser des Sunset Boulevard vereint (Every Building on the Sunset Strip, 1965).
Allein schon mit diesen Werken hat Ed Ruscha Kunstgeschichte geschrieben und beeinflusst mit ihnen nachfolgende Künstlergenerationen. Seine Arbeiten sind weltweit in den wichtigsten Museen vertreten, und erst vor zwei Jahren tourte eine groß angelegte Retrospektive durch Museen Nordamerikas und Europas.
Während diese Ausstellung ausschließlich seine Malerei vorstellte, präsentiert das Kunsthaus Bregenz nicht nur ein Medium, sondern eine große Spannbreite seiner Werke, angefangen bei Zeichnung und Fotogravur über Buch und Film bis hin zu Acryl- und Ölbildern. Dabei liegt die Konzentration auf einem zwar naheliegenden, bisher jedoch noch nicht in extenso berücksichtigten Thema, der Bedeutung nämlich, die dem Buch beziehungsweise dem Akt des »Lesens« in seinem Werk zukommt.
Dass Schrift eine besondere Rolle für Ed Ruscha spielt, lässt sich allein schon an seinen bekannten Leinwandbildern ablesen, bei denen er einzelne Wörter oder Sätze so auf monochrome beziehungsweise mit Farbverläufen versehene Bildflächen gesetzt hat, dass sie wie magisch vor diesen zu schweben scheinen. Nicht weniger erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang sein Schriftzug aus Ameisen, 1972 entwickelt für die von Harald Szeemann kuratierte documenta 5, oder die Tatsache, dass er in den 1980er Jahren eine eigene
Schrifttype entwarf, die er »Boy Scout Utility Modern« nannte und als einen »Buchstabenstil ohne Stil« bezeichnete.
Wie produktiv sich Ed Ruscha mit dem geschriebenen Wort auseinandersetzt, ist sowohl in seinen Künstlerbüchern nachvollziehbar, von denen in Bregenz alle zu sehen sind, als auch beispielsweise in den abstrakten Öl- und Acrylbildern der Serie Cityscapes. Bei diesen platziert er rechteckige Formationen in der Weise auf einen in der Regel monochromen Grund, dass sie bei genauerem Betrachten die einzelnen Worte des jeweiligen Bildtitels in Länge und Abstand wiedergeben. Über ein Dutzend dieser Werke in der Ausstellung belegen nicht nur die atmosphärische Dichte, die in der Kombination von visueller Abstraktion mit den gedanklich zu übertragenden Worten entsteht, sondern auch eine merkwürdige Direktheit, die zwischen Verzweiflung, Aggression und Humor changiert.
Es ist bezeichnend, dass Ruscha in dieser Serie, die er einmal als »visuellen Lärm« bezeichnete, wie auch bei anderen Werkreihen von ihm selbst festgesetzte Regeln mitunter in der Folge lustvoll bricht.
Bei einer späteren, vergleichbaren Serie von Vierfarbfotogravuren verwendet Ed Ruscha anstatt eines monochromen Hintergrunds typische amerikanische Landschaftsfotos, die mit Titeln wie Your A Dead Man Assoziationen an Western auslösen.
Zu den anderen ansonsten selten ausgestellten Arbeiten in der Ausstellung zählen seine Buchobjekte, auf deren Cover er beispielsweise mit Ölfarbe »The End« schreibt oder in
deren Leinenumschläge er Wörter beziehungsweise einzelne Buchstaben bleicht, wie bei seinen O-Books. Diese werden so zu Bildträgern und behalten trotzdem ihren Objektstatus, bei dem der Buchinhalt und das (neue) Cover spannungsvoll in Beziehung treten. Ähnlich verhält es sich mit Oh No und Pep, beides im letzten Jahr speziell für die Bregenzer Ausstellung bearbeitete Lederfolianten.
Darüber hinaus lassen sich hier auch bisher selten ausgestellte Fotografien des Künstlers entdecken, die auf den ersten Blick genau das wiedergeben, was im Titel zu lesen
ist (zum Beispiel Single Book Flat), aber bei genauerer Betrachtung eben auch das Verhältnis von Text und Bild, von Zeichen und Bezeichnetem poetisch in Szene setzen.
Zu den sicherlich beeindruckendsten Werken der Schau zählen seine Leinwandbilder, auf denen er minutiös und illusionistisch täuschend echt jeweils frontal ein Buch
gemalt hat, auf dessen Cover beispielsweise »Atlas«, »Bible«, »Index« oder »Standards and Norms« zu lesen ist.
Für Bregenz hat Ed Ruscha diese Serie weiterentwickelt, indem er neue Werke anfertigte, die das Originalbuch gemeinsam mit seiner gemalten »Kopie« in einem Rahmen vereinen. Hinzu kommen neue großformatige Bilder, die ebenfalls anlässlich der Ausstellung entstanden sind und erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Die Ausstellung Reading Ed Ruscha wurde speziell vom Künstler für das Kunsthaus Bregenz konzipiert und stellt bemerkenswerterweise seine erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich dar.

Kunsthaus Bregenz

kunsthaus-bregenz.at

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
Donnerstag 10-21 Uhr
7. Juli bis 2. September täglich 10 – 20 Uhr
Mariä Himmelfahrt, 15. August 10 – 20 Uhr

Medienmitteilung



Ed Ruscha:


- A Tale of Two Worlds 2017

- Art Basel 2013

- Art Basel 2016

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Hong Kong 2016

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach 2014

- art berlin 2017

- Biennale de Lyon 2015

- documenta 7 1982

- documenta 9 1992

- Frieze LA 2019

- Frieze LA 2019

- Gagosian Gallery

- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V. Sammlung

- Migros Museum Sammlung

- Mis-Understanding Photography 2014 GA

- MoMA Collection

- Museo Reina Sofía Collection

- Sammlung 20. 21. Jh. Kunstmuseum Basel

- Sammlung DZ Bank Frankfurt

- Sammlung MMK Frankfurt

- Solomon R. Guggenheim Collection

- Sprüth Magers Berlin London

- TALKING PIECES Museum Morsbroich
  • Museum Ludwig Köln (11 / 01)

  • Museum Morsbroich: TALKING PIECES - Text und Bild in der Zeitgenössischen Kunst (-20.04.03)

  • 6. Internationale Foto-Triennale in Esslingen (18.7.-3.10.04)

  • 50 Jahre / Years documenta 1955-2005 - Kunsthalle Fridericianum Kassel (1.9.-20.11.05)

  • vom bild // zum bild. metamorphose - Museum der Moderne / Rupertinum, Salzburg (22.10.05-19.2.06)

  • Ed Ruscha. Photographer. - Kunsthaus Zürich (19.05.-13.08.06)

  • Ed Ruscha. Photographer - Museum Ludwig Köln (2.9.-26.11.06)

  • Abschlussbericht: ART COLOGNE feierte ihr Jubiläum

  • What does the jellyfish want? - Museum Ludwig, Köln (31.3.-15.7.07)

  • "Leute wie wir" Grafiken von Sister Corita aus den 1960er Jahren (9.6.-2.9.07)

  • Hot Spots. Rio de Janeiro/Milano–Torino/Los Angeles, 1956 bis 1969 - Kunsthaus Zürich (13.2-3.5.09)

  • Ed Ruscha. 50 Jahre Malerei - Haus der Kunst, München

  • Bild für Bild – Film und zeitgenössische Kunst

  • DGPh verleiht den Kulturpreis 2011

  • Elodie Pong: Around Life´s Central Park. Videos & Installationen

  • Reading Ed Ruscha

  • Acht Ausstellungen im Centre Pompidou-Metz im Jahr 2013

  • From Beckmann to Warhol. 20th- and 21st-century art

  • art news today

  • art news today 26.05.2013

  • art news today 27.05.2013

  • Ed Ruscha. Bücher und Bilder

  • «Go! You sure? Yeah.»

  • (Mis)Understanding Photography

  • Künstler liste Ende Oktober 2014

  • Damage Control

  • more Konzeption Conception now

  • Belle Haleine – Der Duft der Kunst

  • Trevor Paglen erhält DGPh Kulturpreis 2015

  • Datenblätter und Kunstkompass

  • Künstlerliste 2015 inklusive Messebeteiligungen

  • Künstler mit 18,19 oder 20 Erwähnungen

  • SCHIFF AHOY

  • Hans Eijkelboom

  • Künstlerliste 2018

  • Hanne Darboven - GEPACKTE ZEIT

  • Künstlerliste 2017

  • A Tale of Two Worlds

  • Künstlerliste mit Biennalebeteiligungen

  • Künstlerliste mit nur einer bzw. zwei Biennalebeteiligungen

  • Der Begriff oder/II in Texten zur zeitgenössischen Kunst

  • Pierre Descamps erhält den SpallArt Salzburg Prize 2019

  • Ed Ruscha - Philipp Timischl - Kris Lemsalu

  • Moderne. Ikonografie. Fotografie. Das Bauhaus und die Folgen 1919-2019

  • Der Begriff - Signatur - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

  • Der Begriff - einflussreich - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

  • Yilmaz Dziewior bleibt Direktor des Museum Ludwig

  • top



    Anzeige
    Responsive image


    Anzeige
    Responsive image


    Anzeige
    Responsive image

    Chatbot

    Was der Bot u.a. jetzt bereits beantworten kann: Was ist Kunst, was macht die Kunst, Konzeptkunst, wozu Kunst, Künstler und was macht art-in.de? Um Fragen, die er noch nicht beantworten kann, kümmern wir uns. Es ist ein Experiment im Aufbau. Wir freuen uns über alle Fragen.


    Card image cap

    Wilde Zeiten Fotografien von Günter Zint

    4.7.-27.9.2020 | Deutsches Zeitungsmuseum Wadgassen

    Card image cap

    Image Wars Macht der Bilder

    04. 07. - 08. 10. 2020 | Künstlerhaus Halle für Kunst & Medien, Graz

    Card image cap

    Linnea Semmerling neue Direktorin der Stiftung IMAI

    Juli 2020 | Stiftung imai, Düsseldorf

    Card image cap

    NEUSPRÉCH

    3.7. - 13.12.2020 | Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen

    Card image cap

    Linnea Semmerling neue Direktorin der Stiftung IMAI

    Juli 2020 | Stiftung imai, Düsseldorf

    Card image cap

    Alles auf Abstand

    Juni | FH Münster