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Tilo Schulz

Orbit

12.7.–28.9.2014 | Kunstverein Hannover

Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelt der Künstler, Kurator und Autor Tilo Schulz (*1972) ein vielschichtiges Werk, das die individuelle Wahrnehmung, die gesellschaftliche Funktion oder die politische Instrumentalisierung von Kunst thematisiert. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen den bildnerischen Gattungen Skulptur, Zeichnung und Malerei, deren abstrakte Formensprache metaphorische Bedeutung erlangt. Für den Kunstverein Hannover hat Tilo Schulz vier raumgreifende, ortsspezifische Installationen entworfen, die die Ausstellungsräume in dialogische Verbindung treten lassen und den zirkulären Ausstellungsparcours aufbrechen.

Während der in Leipzig geborene Schulz in vergangenen Ausstellungen Kritik an Dualismen und der politischen Instrumentalisierung von Kunst übte, stehen in der Ausstellung im Kunstverein Hannover das Zusammenspiel von Werk und räumlicher Situation im Vordergrund. Schulz lässt räumliche Ensembles und Bezugssysteme entstehen, deren Leerstellen sich als Interaktionsfelder von Objekt, Raum und Betrachter erfahren lassen. Der reguläre Rundgang durch die Ausstellungsräume kann als Parcours unterschiedlichster Erfahrungsräume begriffen werden.

In den ersten Räumen der Ausstellung befindet sich eine mehrteilige Arbeit aus horizontal ausgerichteten Bildträgern, die über dem Boden zu schweben scheinen und die Räume sowohl verbinden wie rhythmisieren. Die auf den Bildträgern während der Aufbauphase entstehenden reduzierten malerischen Setzungen lassen sich als Metaphern der Bewegung und des Agierens verstehen, die den Prozess der Farbschüttung und -verteilung abbilden und Bezüge zwischen den einzelnen Bildern herstellen. Im letzten Raum wird die Bewegung von Farbe erneut in den Mittelpunkt gerückt.

Bei den hier gezeigten »pipes« (2012/14) fungieren Holzröhren als Bildträger, deren dynamische Farbverläufe den Entstehungsprozess, die Gieß- und Fließvorgänge abbilden. Im Gegensatz zum ersten Raum ist der Zutritt jedoch beidseitig durch Barrieren versperrt und lässt sich das Verhältnis zwischen Skulptur, Raum und Betrachter sowie die variierende Ansicht der »pipes« ausschließlich aus zwei verschiedenen Perspektiven erfahren. Die Einrichtung von Barrieren veranlasst den Betrachter dazu, den gesamten Ausstellungsrundgang unter Veränderung der Sichtachsen nochmals zu durchschreiten.
Eine aus zwei gleichen zylindrischen Körpern bestehende, begehbare Skulptur verbindet die beiden größten Ausstellungsräume und entfaltet eine monumentale Wirkung. Während die Struktur der gepolsterten Skulptur an ein Mauerwerk erinnert, dessen Proportionen extrem vergrößert wurden, weckt die Ummantlung aus Cordstoff Assoziationen an Kleidung oder Mobiliar der 1970er Jahre.

Beim Betreten verändert sich das räumliche, atmosphärische und akustische Empfinden und offenbart sich die Schleusenfunktion der Skulptur, die den Besucher in einen identischen Innenraum und von dort aus in den nächsten Ausstellungsraum führt. Indem der eine zylindrische Körper lediglich einen Teil des Raums einnimmt, während der Zwilling mit seinem Volumen den angrenzenden Raum nahezu ausfüllt, thematisiert Schulz die Wechselwirkung von Skulptur und Raum und macht die Charakteristika der unterschiedlichen Ausstellungsräume über Wiederholung und Differenz erfahrbar.

Die Ausstellung im Kunstverein entwickelt einen dramaturgischen Bogen, der nicht die einzelnen Räume chronologisch aneinanderreiht, sondern dialogische Situationen erzeugt, indem die Räume verspannt, begrenzt oder verknüpft werden, um die Wahrnehmung jeweils neu auszurichten.



Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2

kunstverein-hannover.de

Pressemitteilung





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