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Video - 25 Jahre Videoästhetik im NRW-Forum, Düsseldorf (24.1. - 18.4.04)


Eingabedatum: 14.01.2004


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Die Ausstellung zeigt nicht nur die wichtigsten Tendenzen aus dem Bereich Videokunst, sondern stellt dies darüber hinaus Werbeclips und Musikvideos gegenüber. Teilnehmende Künstler sind u.a. mit Marina Abramovic, Matthew Barney , Dara Birnbaum, Peter Callas, Roman Coppola, Anton Corbijn. Chris Cunningham, Jonathan Glazer, Damien Hirst, Spike Jonze, William Kentridge, David Lynch, Bjorn Mehlhus, Pipilotti Rist, Woody Vasulka, Bill Viola

Pressemitteilung / Auszug: "Eine fast unüberschaubare Menge von 100 Videomonitoren erwartet den Besucher im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf - Sinnbild für die Bilderflut, mit der das Video seit Beginn der 80er Jahre reißend und gewalttätig die Trutzburgen der alten Kulturproduktion stürmt. Die Ausstellung VIDEO blickt in die Werkstätten und Videoarchive der Bilder-Avantgarde und präsentiert die wichtigsten zeitgenössischen Tendenzen. Quer durch alle Genres und Kultursparten. Denn nicht nur das Fernsehen und die Kunst haben vor dem schnellen Schnitt, der eigenwilligen Perspektive, dem Rausch der bunten Bilder kapituliert, sondern mittlerweile auch Film, Theater und Fotografie. Mit der Erfindung des Films lernten die Bilder laufen, mit der Verbreitung des Videos rasen sie nun.

Die Ausstellung VIDEO bringt die Videos wieder zurück auf den Monitor und stellt sie dem Besucher, unabhängig davon ob es sich um Kunstvideo, Werbevideo oder Musikclip handelt, zur vergleichenden Betrachtung dieser neuen, ästhetischen Bildsprache zur Verfügung: Die Ausstellung beginnt mit den 80er Jahren – jener Zeit, als es die erste Generation der »Fernsehkinder« gab, als (in Deutschland) das Privatfernsehen eingeführt wurde und in Amerika (und später auch in Europa) der erste Musikfernseh-Sender startete: »MTV«.
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Die Grenzen zwischen Kunst, Werbung und Musikclip sind fließend geworden. Die Videoschaffenden kennen keine Berührungsängste mehr. Unter den Künstlern und Regisseuren der Ausstellung finden sich Namen wie Marina Abramovic, Matthew Barney, Dara Birnbaum, Peter Callas, Roman Coppola, Anton Corbijn. Chris Cunningham, Jonathan Glazer, Michel Gondry, Ingo Günther, Damien Hirst, Spike Jonze, Wil-liam Kentridge, David Lynch, Bjorn Mehlhus, Mariko Mori, Joe Pytka, Pipilotti Rist, Bill Seaman, Jo Sedelmaier, Floria Sigismondi, Tarsem Singh, Woody Vasulka, Bill Viola, Klaus vom Bruch und andere. Wobei Damien Hirst, zum Beispiel, nicht etwa mit einem Kunstvideo - sondern mit einem Musicclip vertreten ist; und Chris Cunningham nicht nur mit Musikclips und Werbespots sondern auch mit seinem Kunst-Video "flex".

»Das Musikvideo«, befand David Bowie zu Beginn der 80er, »ist die logische Erfüllung in der Zusammenführung von Kunst und Technologie [...]. Ich verstehe es als eine künstlerische Bereicherung. Ich sehe den Tag kommen, da an der Schnittstelle von Musik und Video ein völlig neuer Künstlertyp entsteht.«

Dieser Künstlertyp ist mitlerweile entstanden: Das Musikvideo entwickelte sich schnell zu einer selbstständigen Kunstform. Prägte eine eigene Ästhetik und Bildsprache. »Clipästhetik«, nannten es die Verfechter der traditonellen Bildsprache abwertend, wenn Kinofilme oder Programme in der neuen Bildsprache gestaltet wurden.

Clipregisseure und Kinoregisseure – wie Antonioni, Lynch oder Wenders - drehen Werbefilme. Werbefilmer und Musikclip-Regisseure werden von der Filmindustrie aufgesogen - wie Adrian Lyne, Ridley Scott, Tony Scott und Julian Temple. Künstler wie Damien Hirst, Wolfgang Tillmans und andere drehen Musik- oder Werbevideos. Themen aus Musik- oder Werbevideos finden sich in Kunstvideos wieder.
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Das alles trägt bei zu einer nicht gekannten neuen Ästhetisierung und zu einer Annäherung oder gar Durchdringung der Genres. Die Grenzen werden eingerissen. Jeder zitiert jeden. Der Duracell-Hase aus dem bekannten Werbevideo der Batteriemarke Duracell, wird zum Running Gag der Konkurrenzmarke »Energizer« taucht zum Beispiel in David Lettermans »Late Night Show« auf und von dem deutschen Künstler Klaus vom Bruch stammt das »Duracellband«, in dem er den Werbespot als Analogie von Konsum und Gewalt einsetzt.
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Ein Sender wie MTV selbst richtet das Programm in nie da gewesenem Maß auf die Eigenwerbung aus. Interessanterweise zählen gerade die Werbespots mit dem MTV-Logo zu den künstlerisch erfolgreichsten Experimenten des Fernsehens überhaupt. Künstler wie Dara Birnbaum oder Jenny Holzer, innovative Regiseure wie die Quay Brothers sind daran beteiligt.

Im Video finden Transfers zwischen allen gesellschaftlichen und ästhetischen Kontexten statt. Konsum und Rezeption werden in diesem System zu Formen eines kulturellen Austauschs. So zeigte die MTV-Serie »Becoming« seit 2001 Mädchen aus der Mittelschicht, die als Double ihrer Heldinnen Christina Aguillera, Beyonce oder Pink deren Videos nachspielen. »It looked identical« ist das größte Kompliment, das die kleinen Mädchen aus der Provinz von der Jury bekommen können.

Die Ausstellung VIDEO zeigt neben den 100 einflußreichsten Spots der letzten 25 Jahre auch Clips von Jean-Luc Godard, eine Episode von »Andy Warhol’s 15 Minutes«, die MTV Serie »Becoming« und ein Feature von Hermann Vaske »Traffic«, das den Einfluß der Clipästhetik auf das Kino untersucht."

Ausstellungsdauer: 24. Januar – 18. April 2004

Öffnungszeiten: Di – So 11:00 bis 20:00 Uhr, Fr bis 24:00 Uhr

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft | Ehrenhof 2 – 40479 Düsseldorf | Tel.: 0211-966 00

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