Figuren - Rineke Dijkstra und die Sammlung des Sprengel Museum Hannover

SPECTRUM – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen

noch bis 6. Mai 2018 | Sprengel Museum Hannover
Eingabedatum: 22.04.2018

bilder

Mit Rineke Dijkstra (*1959 in Sittard, Niederlande, lebt in Amsterdam) ehrt die Stiftung Niedersachsen eine der herausragenden Fotografinnen der Gegenwart. Dijkstras Werk nimmt in seiner formalen wie inhaltlichen Stringenz, in der Tiefe der fotografischen Auseinandersetzung mit dem klassischen Porträt, eine solitäre Position in der neueren Fotografie-Geschichte ein. Die Künstlerin erhielt im Oktober 2017 den legendären Hasselblad Award, ihr Gesamtwerk ist im Rahmen einer Retrospektive zu sehen, die vom Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk (DK) ausgeht. Darüber hinaus kann Dijkstra auf zahlreiche internationale Ausstellungen zurückblicken, u. a. im San Francisco Museum of Modern Art, dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, sowie der Tate Liverpool.

Für ihre Ausstellung im Sprengel Museum Hannover hat die Künstlerin nun erstmals eine Präsentationsform entwickelt, die auf einem Dialog von ausgewählten Werken ihres eigenen Œuvres mit Werken aus der museumseigenen Sammlung aufbaut. In der Konfrontation von Fotografien der Künstlerin aus den frühen 1990er-Jahren (z. B. die „Beach Portraits“) und aktuellen Arbeiten mit Gemälden von u. a. Max Beckmann und Fernand Léger, Fotografien von Ernst Schwitters sowie zahlreichen modernen Skulpturen, beispielsweise von Kurt Lehmann und Lynn Chadwick, eröffnet sich ein neuartiger Blick auf die spezifische Bildsprache der niederländischen Künstlerin.

Die Auswahl ihrer Porträts, die Dijkstra für die Präsentation im Sprengel Museum Hannover getroffen hat, macht deutlich, wie sehr sich viele der Dargestellten eines Vorgangs des Fotografiert-Werdens bewusst sind. Das beginnt mit den beiden Jungen in der Fotografie Tamale, Ghana, March 5, 1996, die ihre Knie durchgedrückt haben und nicht wissen, wohin mit ihren Armen. Ihr Ausdruck changiert zwischen dem Unwohl-Sein des Beobachtet-Werdens und gleichzeitigem Stolz. Diese sichtbare Anspannung setzt sich in der Arbeit Marianna and Sasha, Kingisepp, Russia, November 2, 2014 fort: In der artifiziellen Arm- und Beinhaltung des sitzenden wie auch des stehenden Mädchens artikuliert sich ein beinahe zwanghaftes Bekenntnis zum Tanz. Eben dies erfüllt sich in nahezu grotesker Form in den Verrenkungen der elf Mädchen, die in der Videoarbeit Gymschool, St. Petersburg, 2014 zu sehen sind. Eine besondere visuelle Spannung baut sich auf, wenn die 8- bis 12-jährigen Mädchen, die sich in der Disziplin der rhythmischen Sportgymnastik üben und dabei zum Teil unnatürliche Haltungen einnehmen, während ihres anstrengenden Trainings, das durchaus Momente des Scheiterns aufweist,
jeden Ausdruck von Anstrengung oder von Gefühlsregungen unterdrücken. In den Fotografien ist es die Spannung zwischen dem Ideal der entspannten Selbstdarstellung und der angespannten Pose, dem
Exhibitionismus und der Verdinglichung einer durch die Optik der Kamera bewussten Haltung, die zu dem komplexen Bild eines Individuums wird. Nach einem Studium an der Gerrit Rietveld Akademie Amsterdam (1981 – 1986) arbeitete Rineke Dijkstra anfänglich als Porträtfotografin für Modemagazine wie Elle, Avenue oder Elegance. In einer durch einen schweren Fahrradunfall bedingten schwierigen Lebensphase entstand 1991 ein Selbstporträt, das, neben Aufnahmen von unbekannten jungen Mädchen am Strand von Hilton Head Island, SC, USA, als Beginn ihrer freien künstlerischen Arbeit gilt. Dem Porträt gehört nach wie vor ihr konzentriertes Interesse. Rineke Dijkstra betrachtet die Fotografie als eine Möglichkeit, sich mit grundsätzlichen Fragen menschlicher Existenz auseinanderzusetzen.

Die Fotografie ist dabei Beobachtungs- und Erkenntnismittel. Das genaue und detailinteressierte Sehen, das sie in ihren mit Großformat- oder Videokamera entstehenden Bildern zum Nachvollzug anbietet, offenbart die ständige Wandelbarkeit des menschlichen Seins. Die Auszeichnung mit dem SPECTRUM – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen würdigt die stilbildende Kraft dieses Œuvres und die künstlerische Konsequenz, mit der Rineke Dijkstra die Auseinandersetzung mit dem fotografischen Porträt in ihren filmischen Arbeiten fortführt. Der SPECTRUM – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen wird seit 1994 vergeben und schließt einen Geldpreis in Höhe von 15.000 Euro, eine umfangreiche Ausstellung im Sprengel Museum Hannover und die Produktion einer Künstlerpublikation (29,90 Euro) ein.

Kurator: Dr. Stefan Gronert
Mitglieder der Jury:
Florian Ebner, Centre Georges Pompidou, Paris
Michael Hering, Staatliche Graphische Sammlung, München
Beatrice Ruf, Stedelijk Museum Amsterdam
Inka Schube, Sprengel Museum Hannover
Joachim Werren, Stiftung Niedersachsen
Bisherige Preisträger:
2015: Hannah Collins/Großbritannien
2013: Boris Mikhailov/Ukraine
2011: Bahman Jalali/Iran
2008: Helen Levitt/USA
2005: Martha Rosler/USA
2002: Sophie Calle/Frankreich
1999: John Baldessari/USA
1997: Thomas Struth/Deutschland
1994: Robert Adams/USA

Presse






Daten zu Rineke Dijkstra:

- Art Basel 2013
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- Berlin Biennale 1998
- daad Stipendiat
- Frieze London 2016
- Galerie Max Hetzler
- MACBA COLLECTION
- Manifesta 10, 2014
- Marian Goodman Gallery
- MoMA Collection
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Solomon R. Guggenheim Collection

Weiteres zum Thema: Rineke Dijkstra



DIE WOHLTAT DER KUNST - Kunsthalle Baden Baden



Die Ausstellung "Die Wohltat der Kunst" stellt in einer pointierten Auswahl eine der international bedeutendsten deutschen Sammlungen zeitgenössischer Kunst vor: die Sammlung Goetz, München. In enger Diskussion mit der Sammlerin Ingvild Goetz wurde aus dem reichen Bestand wichtigster Positionen der letzten Jahrzehnte eine thematische Fragestellung entwickeln, die sowohl ein Hauptthema der Kunst der 90er Jahre untersucht, als auch - indirekt - die intellektuelle Physiognomie der Sammlerin in diesem Thema reflektiert.

Wie kein Jahrzehnt zuvor sind die 90er Jahre künstlerisch durch die offensiven und in ihrem analytischen Blick keineswegs konfliktscheuen Werke junger Künstlerinnen geprägt. Im Vergleich zum überkommenen emanzipatorischen Ansatz des Feminismus, eine der einschneidendsten gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, haben sich die Strategien und Perspektiven junger Künstlerinnen grundlegend verändert. Selbstbewusst haben sie sich in Kunstöffentlichkeit und -markt etabliert.
Dass neben international renommierten Künstlerinnen auch die Positionen dreier Künstler integriert sind, demonstriert, dass manche ältere Polarität der feministischen Diskussion längst durch vielschichtigere Befragungen von Rollenklischees und Geschlechterbildern abgelöst wurde.

Gezeigt werden Werke von: Matthew Barney, Rineke Dijkstra, Tracey Emin, Mona Hatoum, Jonathan Horowitz, Sarah Jones, Mike Kelley, Karen Kilimnik, Sarah Lucas, Tracey Moffatt, Cady Noland, Catherine Opie, Pipilotti Rist, Daniela Rossell, Cindy Sherman , Ann-Sofi Sidén, Sam Taylor-Wood, Gillian Wearing, Sue Williams, Andrea Zittel.

Die Ausstellung wurde gemeinsam von der Sammlung Goetz und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden konzipiert und von Rainald Schumacher und Matthias Winzen kuratiert.
Es erscheint ein Katalog mit Essays von Katharina Sykora und Jessica Morgan, Kommentaren zu allen Werken, einem kritischen Gespräch mit Thomas Meinecke und Barbara Vinken zum Begriff einer "post-feministischen Kunst" und einem Interview, das Matthias Winzen mit der Sammlerin Ingvild Goetz zur Charakteristik und den Schwerpunkten ihrer Sammlung führte.


14. September – 10. November 2002

Eröffnung: 13. September 2002, 19.00 Uhr


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    Jonathan Meese / Daniel Richter / Tal R - BAVID DOWIE

    Unter dem Titel Bavid Dowie präsentiert das Kunsthaus auf drei Etagen farbintensive Gemälde und Skulpturen, die in einer einmaligen Zusammenarbeit im Vorfeld der Ausstellung entstanden sind. weiter


    IN THE CUT - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

    Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. weiter


    Raum D: Digitale Projekte Malte Bruns

    Bis zum 9. September gibt die neu initiierte Reihe „Raum D: Digitale Projekte“ Einblicke in die Praktiken junger medienkünstlerischer Positionen. weiter


    Raphaela Vogel Ultranackt

    Die neuen Arbeiten in dieser ersten Einzelausstellung ausserhalb ihrer deutschen Heimat entfalten eine Welt, die aufregend und dystopisch zugleich ist.
    weiter


    Jutta Koether Tour de Madame

    Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether. weiter


    Jan Bräumer / Sebastian Tröger

    Unter dem Titel Von vielen Möglichkeiten weiß der Dinosaurier nichts präsentiert das Kunsthaus Gemälde, Zeichnungen und Installationen von Jan Bräumer (*1970 in Darmstadt) und Sebastian Tröger (*1986 in Erlangen). weiter


    Ernst Caramelle - Very angenehme Konzeptkunst

    Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. weiter

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