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Party for Öyvind. Öyvind Fahlström & Friends

16.2.-1.5. 2022 | Museum Tinguely, Basel
Eingabedatum: 14.02.2022

Das Museum Tinguely präsentiert mit Party for Öyvind vom 16. Februar bis 1. Mai 2022 eine Ausstellung, in deren Zentrum das Leben und Werk von Öyvind Fahlström (1928-1976) steht. Er hat in seiner kurzen Schaffenszeit ein in jeder Hinsicht Grenzen sprengendes Œuvre geschaffen. Seit den frühen 1950er Jahren entwickelte er ein künstlerisches und privates Netzwerk, das mit über 80 internationalen Künstler*innen aus Poesie, Kunst, Musik, Tanz, Theater, Performance und Film in der Ausstellung präsent ist. Die Verbindungen, die Lebens- und Schaffenslinien, die gegenseitigen Inspirationen sind hier zu sehen und zu erleben. Die Zeit, in der Fahlström arbeitete, war von einem Gefühl des Aufbruchs geprägt, in dem eine junge Generation nach neuen Wegen in Politik, Gesellschaft und im gegenseitigen Umgang suchte, und die sich gegen die koloniale und patriarchal geprägte Politik ihrer Väter wandte. Fahlström und seine Freundinnen und Freunde gehörten einer Avantgarde an, deren Suche nach eben diesem Neuen im Zentrum ihres Denkens, Handelns und Schaffens stand.

Der Ausstellungstitel zitiert die Einladungskarte, die Patty und Claes Oldenburg zu einer Feier anlässlich des Geburtstags von Öyvind Fahlström und seiner ersten Einzelausstellung in der legendären Sidney Janis Gallery in New York 1967 verschickten. Die Party war ein Riesenevent mit mehreren Hundert Gästen, von denen viele auch in der Ausstellung vertreten sind. Fahlström wurde 1928 als Sohn skandinavischer Eltern in São Paulo, Brasilien, geboren. Im Juli 1939, im Alter von elf Jahren, reiste er alleine nach Stockholm, um während sechs Monaten seine Verwandten zu besuchen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte eine Rückreise, sodass Fahlström den Rest seiner Kindheit und Jugend in Stockholm bei einer Tante verbrachte. Nach dem Krieg studierte er in der schwedischen Hauptstadt Kunstgeschichte und Archäologie. Ab 1952 lebte er in Rom, tauchte alsbald in die Kunstszene ein, schuf erste Werke und freundete sich mit Künstlern wie dem Maler Giuseppe Capogrossi an, dessen Umgang mit Zeichen und Symbolen für den viel jüngeren Schweden eine wichtige Inspiration war. Fahlström berichtete als Korrespondent schwedischer Zeitungen im Feuilleton über Rom – so unter anderem über Robert Matta oder Cy Twombly.

Zurück in Stockholm pflegte Fahlström seine Freundschaften mit Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen, Museumsmenschen, Musiker*innen und vielen anderen Kreativen. Mit dem Moderna Museet, das 1959 eröffnet wurde, verband Fahlström von Anfang an eine enge Beziehung, die in viele spartenübergreifende Projekte mündete und ihn später zu einem der Botschafter des Museums in den USA werden liess. Erste internationale Ausstellungen folgten, so insbesondere 1958 in der Galerie Daniel Cordier in Paris, wo Fahlström enge Bande zu Jean-Jacques Lebel und Alain Jouffroy knüpfte, den Organisatoren von Anti-Procès (1, 1960), einer Manifestation von Künstler*innen gegen die französische Kriegspolitik in Algerien sowie gegen die Apartheid in Südafrika, deren Manifest auch Fahlström unterschrieb.

1961 reiste Fahlström mit seiner Partnerin Barbro Östlihn, die er 1960 geheiratet hatte und mit der er intensiv zusammenarbeitete, zu einem einjährigen Stipendiumaufenthalt in die USA. Billy Klüver, der schwedische Ingenieur in den Diensten der Bell Laboratories und Gründer von E.A.T. (Experiments in Art and Technology, einer Institution, die viele Künstler*innen in der technischen Umsetzung von Werken unterstützte), führte die Ankömmlinge in die New Yorker Kunstszene ein. Erste Freunde waren Patty und Claes Oldenburg. Fahlström konnte Robert Rauschenbergs Atelier übernehmen und wurde so zum Nachbarn von Jasper Johns. Er fand sich im Zentrum der rasanten Entwicklung in den USA, erlebte den Aufstieg von Pop Art und Happening.

Barbro und Öyvind blieben auch nach Ablauf des Stipendiumjahres in der Stadt und waren bis zu seinem Tod 1976 Teil der Kunstszene New Yorks.

Auch mit einem Leben in New York rissen die Kontakte nach Schweden nie ab. 1966 repräsentierte Fahlström sein Land an der Biennale in Venedig, und konnte sich wohl auch deshalb nicht an HON beteiligen, der riesigen Frauenskulptur, die Niki de Saint Phalle zusammen mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt 1966 im Moderna Museet installierte. Öyvind, Niki und Jean hatten sich spätestens seit Mai 1962 gekannt, als sie sich alle an Kenneth Kochs Inszenierung von The Construction of Boston beteiligten.
Fahlström betätigte sich als Poet, publizierte 1953 ein Manifest für konkrete Poesie, war Verfasser von Theaterstücken, beteiligte sich an Performances und Happenings ebenso wie an theatralischen Inszenierungen und schuf in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau ein künstlerisches Werk mit Gemälden, einem umfangreichen druckgrafischen Werk und raumgreifenden Installationen, das sich zwischen 'peinture' und 'comic' bewegte und in dem er politische, soziale und gesellschaftliche Fragen seiner Zeit aufnahm.

Party for Öyvind spiegelt eine Zeit wider, die von den Herausforderungen der Nachkriegszeit geprägt war, die aber auch einzigartige Möglichkeiten für eine neuartige Offenheit und Verspieltheit bot, als eine jüngere Generation versuchte, das Alte über Bord zu werfen und ihre eigene Lebensweise zu finden, in deren Mittelpunkt Lebenslust und Hoffnung auf die Zukunft sowie das Recht auf die eigene Identität, Sexualität und Ausdruck in Kunst, Musik, Literatur und Poesie standen.

Die Ausstellung bringt viele der einflussreichsten Künstler der 1950er und 1970er zusammen, darunter Alexander Calder, Andy Warhol, Barbro Östlihn, Carl Johan De Geer, Christer Strömholm, Claes Oldenburg, Cy Twombly, Dennis Hopper, Ernest Cole, Faith Ringgold, Gunilla Palmstierna-Weiss, Jean Tinguely, John Cage, Kiki Kogelnik, Lee Bontecou, Lena Svedberg, Marie-Louise Ekman, Marisol, Merce Cunningham, Mimi Gross, Niki de Saint Phalle, Patty Oldenburg, Peter Weiss, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein. Und, natürlich, Öyvind Fahlström selbst.
Insgesamt sind es etwa gleich viele Künstlerinnen wie Künstler.

Die Ausstellung wird kuratiert von Barbro Schultz-Lundestam und Gunnar Lundestam.
Nach einer ersten Station im Sven-Harrys konstmuseum in Stockholm (2021) wurde sie für das Museum Tinguely erweitert und wird in Basel von Andres Pardey und Tabea Panizzi betreut. Im Sommer 2022 wird die Ausstellung im Kunstverein in Hamburg zu sehen sein.

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
4002 Basel
www.tinguely.ch


Presse





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