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kunstsammlung

Über die Metapher des Wachstums


Eingabedatum: 11.04.2011

bilder

Über die Metapher des Wachstums ist ein Kooperationsprojekt des Kunstvereins Hannover, des Frankfurter Kunstvereins und des Kunsthaus Baselland und findet in diesen drei Häusern zeitlich leicht versetzt statt. Insgesamt sind 28 internationale zeitgenössische künstlerische Positionen vertreten, die sich mit dem Begriff des Wachstums auf vielfältige Weise künstlerisch auseinandersetzen. Jede dieser Ausstellungen setzt unterschiedliche Schwerpunkte und trägt eine eigene kuratorische Handschrift.
Wachstum ist in den verschiedenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen allgegenwärtig und wird im Allgemeinen eher positiv bewertet. Als eine der Biologie entlehnte Metapher beinhaltet Wachstum im ursprünglichen Sinn allerdings auch eine natürliche Grenze, den Zustand des Ausgewachsenseins sowie einen Kreislauf von Werden und Vergehen. In einer spannungsvollen Zusammenstellung nähern sich die künstlerischen
Arbeiten der Ambivalenz der Wachstumsmetapher zwischen Wohlstand und Fortschrittsglauben auf der einen sowie Vergänglichkeit und Erneuerung auf der anderen Seite. Die oftmals selbst metaphorischen Kunstwerke widmen sich in unterschiedlichen Medien biologischen, ökonomischen oder gesellschaftlichen Aspekten des Wachstums.
Im Kunstverein Hannover werden vom 16. April bis 26. Juni 2011 insgesamt 15 künstlerische Positionen zu sehen sein, die den vielseitigen Wachstumsbegriff in unterschiedlichen Medien aufgreifen.
Auf kontinuierliches natürliches Wachstum von Pflanzen, Bakterien und Korallen bezieht sich Rachel Sussman in ihrer stetig wachsenden Fotoserie: The Oldest Living Things in the World (seit 2005) zeigt Organismen, die seit mindestens 2000 Jahren existieren. Die Künstlerin gewährt einen ästhetischen Einblick in die geologische und biologische Entwicklung der Erde und spannt einen Bogen von der Gegenwart zu den Anfängen der Welt.
Peter Buggenhouts dunkle Skulpturen der Serie The Blind Leading The Blind (2010) bestehen aus unterschiedlichen organischen Materialien und assoziieren den Verfall als Kehrseite des Wachstums.
Der natürliche Kreislauf von Wachstum und Verfall kommt in Michel Blazys Installation Fontaine de mousse (2007) zum Ausdruck. Badeschaum wächst kontinuierlich aus einer einem Müllcontainer zu einer skulpturalen Form und löst sich langsam wieder auf.
Ebenso metaphorisch nähern sich Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger der Themaztik mit ihrer Installation The Conference (2010), in der Kristalle in grellem Pink einen Konferenztisch überwuchern. Faszination und Bedrohung bilden in diesem Untergangsszenario eine spannungsvolle Allianz.
In seinem filmischen Werk Secret Life (2008) verwendet Reynold Reynolds unkontrollierbare Pflanzenwucherungen als Bild psychischen Innenlebens und sozialer Isolation.
Die Videoarbeit Dough (2006) von Mika Rottenberg zeigt eine groteske und zugleich rätselhafte Szenerie, in der mehrere Frauen ohne Unterlass einen stetig wachsenden Teig produzieren und in der Produktionsläufe ad absurdum geführt werden.

Gegenüber der Referenz an die Natur stehen der bereits verstorbene Karl Hans Janke und Andreas Zybach für zwei künstlerische Auseinandersetzungen, die mittels utopischer Technologien Fortschrittsglaube und Wunsch nach einer Erweiterung des Lebensraums thematisieren. Die15 präsentierten Zeichnungen zukunftsweisender WeltraumApparaturen vom selbsternannten Weltenretter Karl Hans Janke visualisieren fiktive Erfindungen, die das menschliche Leben auf der Erde erleichtern sollen. Andreas Zybachs Installation Rotating Space (2004-2009) beruht auf einem aus den 1960er Jahren stammenden Konzept der Nasa für den Bau einer rotierenden Raumstation, die durch künstliche Schwerkraft pflanzliches Wachstum und Leben im Weltraum erlaubt.
Einen kritischen Blick auf ökonomische Wachstumsprozesse werfen künstlerische Positionen, zu denen u. a. Julika Rudelius zählt. In ihrer Videoarbeit Economic primacy (2005) erklären fünf Protagonisten aus dem Wirtschaftsumfeld Geld und Gewinnmaximierung zum obersten Ziel und zur Triebfeder ihres Handelns.
Die dänische Künstlergruppe Superflex bildet in ihrer künstlerischen Tätigkeit ökonomische, politische oder soziale Machtverhältnisse ab und greift Strategien ökonomischen Handelns auf, wie die Entwicklung von Markenidentität und Wertschöpfungsprozessen. In der im Kunstverein präsentierten Videoprojektion Flooded McDonald’s (2008) füllt sich aus unerklärlichen Gründen eine menschenleere McDonald’s-Filiale mit Wasser und versinkt langsam in den Fluten.
San Keller veröffentlichte in der Arbeit Mein Kontostand (2005) täglich den aktuellen Kontoauszug seines Girokontos in Form von Unikaten, welche zum Preis des angezeigten Kontostandes käuflich zu erwerben waren. Auf spielerische und ironische Weise kommentiert Armin Chodzinski in einer Videoserie die in der Popkultur vermittelten Grundsätze und Ideale von Wachstum und Erfolg.
Ausgehend von globalen ökologischen Krisen reflektieren Dan Peterman, Tue Greenfort und Dirk Fleischmann die Verhältnismäßigkeit von Produktion, Nutzen und Ressourcenverbrauch. Wachstum ist in der Arbeit von Dan Peterman eng mit den Verfallsprozessen einer Überflussgesellschaft verbunden. Die palettenartige Installation Accessories to an Event (2001) ist nicht nur eine flexible Ausstellungseinrichtung aus recycelten Materialien,
sondern zugleich Symbol für wachsenden Wohlstandsmüll sowie Hinweis auf Ressourcen schonende Alternativen.
Das Verhältnis von Mensch und Natur und dessen Auswirkungen auf das Ökosystem beschäftigen Tue Greenfort in seiner mehrteiligen Arbeit Medusa Swarm (2009). Die mundgeblasenen Objekte aus Muranoglas sind Nachbildungen einer Quallenart die sich mittlerweile fast unbeschränkt vermehrt, da sich ihre natürlichen Feinde durch Überfischung und Wasserverschmutzung reduziert haben und steigende Wassertemperaturen für optimale Reproduktionsbedingungen sorgen.
Dirk Fleischmann adaptiert in seinen künstlerischen Projekten unternehmerische Strukturen. Mit dem Wiederaufforstungsprojekt myforestfarm (seit 2008) auf den Philippinen, bestehend aus 1838 Bäumen, die auf einem Gelände von 17 000 qm gepflanzt wurden, hinterfragt er den Handel mit Kohlendioxidemissionszertifikaten.
Bei einer im Kunstverein Hannover installierten Säule aus 1838 CDs wurde jede CD mit dem Fotos einer einzelnen Pflanze versehen. Über eine Website kann die jeweilige Pflanze lokalisiert und ihr Wachstum virtuell verfolgt werden.


Abb.:Reynold Reynolds
Secret Life, 2008
2-Kanal-Videoprojektion
16 mm auf DVD
5 Min.
Videostill, Detail

(art-in.de Unser Video zu Reynold Reynolds sehen Sie unter Reynold Reynolds im HkW vom 26.03.2011)

Courtesy Galerie Zink, München/Berlin

Öffnungszeiten:

dienstag–samstag 12–19 uhr
sonntag+feiertag 11–19 uhr

Eröffnung am Freitag, 15. April 2011, 20.00 Uhr
Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
D-30159 Hannover
T: +49(0)511.16 99 278 -12
F: +49(0)511.16 99 278 - 278
mail@kunstverein-hannover.de
kunstverein-hannover.de

Medienmitteilung








Weiteres zum Thema: Wachstum



Im Rausch der Urbanität - 'neon tigers' im Museum der Arbeit, Hamburg (16.09.-28.11.04)


Schön oder schrecklich? Die Bilder asiatischer Großstädte faszinieren auf ambivalente Art. Wie Gebilde aus einer fernen Zukunft wirken sie. Doch dieses ist keine futuristische Vision, sondern Realität. Wolkenkratzer, Wohnsiedlungen und Shopping Malls prägen die asiatische Großstadtarchitektur. Kühl und doch irgendwie anziehend schlagen die Fotos den Betrachter in ihren Bann.

Der Fotograf Peter Bialobrzeski möchte mit seiner Bilderstrecke die vertikale Siedlungsform der Megacities dokumentieren. Fotografiert hat er in Bangkok, Hong Kong, Shanghai, Shenzhen, Jakarta und Kuala Lumpur. Hochhäuser mit 80 Stockwerken und Sportfeldern in schwindelnder Höhe zeigen eine neue Art der urbanen Lebensform. Das Wachstum der asiatischen Metropolen wird getrieben durch eine aufstrebende Mittelschicht. In Europa entfliehen die Menschen den Stadtzentren, in Asien suchen sie die urbane Mitte. Slums und Ghettos finden sich in diesen Innenstädten nicht, denn die Menschen sind in der Regel wohlsituiert und streben nach Mehr. Die Städteplanung ist dem Stile der Geschwindigkeit angepasst. Manch asiatische Stadt ist binnen weniger Jahrzehnte so schnell gewachsen wie westliche Städte in drei Jahrhunderten nicht gewachsen sind. In China sind in den letzten 20 Jahren fast eine Viertel Milliarde Menschen vom Land in die Stadt gezogen. Die Regierung plant deshalb die Neugründung von ca. 150 Städten. Diese Zahlen sprechen für sich. Die Fotos dokumentieren diese Entwicklung. Aufgenommen wurden die Bilder am frühen Abend, wenn Tageslicht und Stadtbeleuchtung sich fluoreszierend vermischen. Sie erscheinen dadurch wie Traumbilder. Aber die Wirklichkeit ist schon da.

Bialobrzeski ist Professor für Fotografie an der HfK Bremen und hat für seine Bilder der Megacities 2003 den World Press Photo Award gewonnen. Das Museum der Arbeit folgt mit neontigers dem Ausstellungszyklus "Die nachindustrielle Stadt". Zuvor gab es bereits Ausstellungen über Obdachlosigkeit und Migration. Der Blick auf Asien liegt im Trend. 2001 zeigte das Hamburger Kunsthaus "Art from Asian Pacific Megacities". Hier wurde das Phänomen der boomenden asiatischen Städte aus Sicht einheimischer Künstler gezeigt.

Foto: Shenzhen 2001, © Peter Bialobrzeski

Die Ausstellung ist vom 16. September bis zum 28. November 2004 zu sehen.
Museum der Arbeit
Wiessendamm 3
22305 Hamburg
Tel. 040-428133105
museum-der-arbeit.de

Anne-Mie van Kerckhoven - Kunsthalle Bern (29.01.-26.03.05)


Die belgische Multimedia Künstlerin Anne-Mie van Kerckhoven (geb.1951) zeigt unter dem Titel "Europäisches Zentrum für futuristische Kunst" in ihrer ersten Einzelausstellung in der Schweiz Zeichnungen, Fotografien und Installationen.

". . . Sie hat seit den späten 1970er-Jahren ein komplexes Multimediawerk entwickelt, das die Betrachtenden durch Installationen voller Bilder, Wörter und befremdlicher Klänge reisst, in denen Material aus den verschiedensten Themenkreisen zusammen geführt wird. Jede Ausstellung funktioniert als “überlebender Mechanismus” und präsentiert entweder neue Werke oder stellt ältere in einen neuen Zusammenhang. Dabei ist die Logik eher expansiv als limitierend. “Vielschichtigkeit” ist demnach positiv und als Interpretationsfeld zur Kompensation entropischer Bedeutungsstrebungen gedacht, die latent zur Selbstorganisation auffordern. Wie Anne-Mie van Kerckhoven einige ihrer Arbeiten in einer flexiblen Struktur “installiert”, ist Ausdruck ihrer unablässigen Auseinandersetzung mit Systemen unsichtbarer Formen der Selbstorganisation, als da sind das menschliche Hirn, ein Computervirus, ein lebender Organismus, eine Ameisenkolonie oder eine Internet-Datenbank.
In der Ausstellung in der Kunsthalle Bern zeigt Anne-Mie van Kerckhoven Zeichnungen und Lichtkörper sowie eine Serie von HeadNurse Installationen, bestehend aus einer hölzernen Unterlage, an welcher mindestens drei perforierte Metallbleche angebracht sind. Daran befestigt die Künstlerin mittels Magnetbeschichtung Bilder und Computerausdrucke.
Zudem präsentiert die Künstlerin zwei von der Kunsthalle speziell für diesen Anlass beauftragte Werke, nämlich The Populace (2005), eine Installation in der Eingangshalle mit fotografischen Auszügen aus einem kürzlich entstandenen Animationsfilm, in dem das Wachstum von Pilzen in den Vordergrund tritt, sowie eine Diashow im Treppenhaus: Against Meaning (2005) zeigt schwarz-weisse Schmuddel- oder “sleaze”-Bilder.
Daneben umfasst diese Ausstellung auch einige von Anne-Mie van Kerckhovens grösseren neueren Arbeiten: Deeper (2004) ist eine kreisende Filmprojektion, welche den Bewegungen eines Tänzers folgt und angesichts der bernischen Totentanztradition eine ganz besondere Bedeutung erlangt. Rorty, The HeadRoom (2004) ist eine ambitiöse Installation in einem halbdunklen Raum: Zwei Projektoren zeigen ein mehrschichtiges Bild. Der Besuchende geht durch ein Sensorennetzwerk und aktiviert dabei eine Reihe von Hyperlinks: Animationen, Texte und eine Anzahl “philosophischer” Räume, in denen sich Freundinnen und Freunde der Künstlerin aufhalten, die die Rolle der “Philosophen” spielen. Hier wird die neurologische Struktur des Gehirns imitiert, indem sich die Komplexität der Installation durch jede neue Besucherinteraktion steigert, welche die Reaktion, Logik und Interaktivität des KopfRaumes inspiriert.
Anne-Mie van Kerckhoven fasziniert die radikale und immer intensivere Verbindung zwischen Mensch und Technologie. Ihr Werk reflektiert unsere Suche nach der Bedeutung der neu entstehenden virtuellen Archetypen. Gleichzeitig integriert es die Zweifel und Ängste, ob wir Menschen mit dieser Übergangssituation umgehen können, wo Maschinen eingesetzt werden, um der Moderne eine neue Chance zu geben. Anne-Mie van Kerckhoven steht aus Notwendigkeit für den Futurismus ein, denn sie hat festgestellt, dass wir uns selber verändern, um in einer von uns drastisch veränderten Umwelt existieren zu können...." (Presse /KH Bern)

Foto: Copyright: Anne-Mie van Kerckhoven/Kunsthalle Bern

Ausstellungsdauer: 29. Januar bis 26. März 2005

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr | Dienstag 10-19 Uhr | Montag geschlossen