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Nimmersatt? Gesellschaft ohne Wachstum denken

27.11.2021 - 27.02.2022 | Kunsthalle Münster, LWL-Museum Kunst + Kultur, Westfälischer Kunstverein

Die Ausstellung Nimmersatt? Gesellschaft ohne Wachstum denken eröffnet Ende November. Als Kooperation der Kunsthalle Münster, des LWL-Museums für Kunst und Kultur sowie des Westfälischen Kunstvereins erstreckt sich Nimmersatt? über drei Institutionen. Die Ausstellung thematisiert, wie menschliches Handeln und andauerndes Wachstum das Zusammenleben und die Umwelt verändern. Die künstlerischen Arbeiten bieten Raum für ein Nachdenken über die Gegenwart und mögliche Zukunftsszenarien.
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Die Teilhabe der Künstler:innen an der Gesellschaft besteht unter anderem darin, dass sie Zustände sichtbar machen und Visionen entwickeln. Die künstlerischen Arbeiten nehmen Bezug zu aktuellen Krisen, sozialer Ungleichheit, Klimaveränderung, Krankheit, Krieg, Fluchtbewegungen, Fremdenhass und damit einhergehenden Entwicklungen. Mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln folgt die Ausstellung der Frage, welche anderen Optionen als die des Wachstums bestehen. Denn Wachstum ist endlich, baut auf sozialer Ungleichheit sowie einer Ausbeutung des Menschen und seiner Umwelt auf.

An allen drei Orten begegnen Künstler:innen den aktuellen Zuständen mit Visionen als auch Utopien, die Gesellschaft ohne Wachstum denken. Gezeigt werden Videoinstallationen, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen sowie Arbeiten im öffentlichen Raum. Neben einer Reihe von Leihgaben präsentieren die Häuser mehrere Neuproduktionen, die im Dialog mit den Kuratorinnen der Ausstellung, Merle Radtke (Kunsthalle Münster), Kristina Scepanski (Westfälischer Kunstverein) und Marianne Wagner (LWL-Museum für Kunst und Kultur), entstanden sind und erstmals gezeigt werden.

In der Kunsthalle Münster thematisiert unter anderem die amerikanisch-libanesische Künstlerin Marwa Arsanios (*1978) in ihrer Video-Trilogie „Who Is Afraid of Ideology?“ (2017/2019/2020) Bodennutzungsrechte und Saatgut. Arsanios‘ Filme nehmen kleine Initiativen an Orten im Irak, Nordsyrien und Kolumbien in den Blick. Die Künstlerin zeigt, wie Frauen Recht auf Land einfordern und sich mit dem Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit auf unvermittelte Weise mit der Natur verbinden. „Part III – Micro Resistencias“ (2020) bietet mit der Idee der lokalen Stärkung schließlich einen Weg, die Diskussion um Saatgut und dessen Besitz nicht in die Hände transnationaler Konzerne zu legen.

Der beninische Künstler Georges Adéagbo (*1942) stellt im LWL-Museum für Kunst und Kultur in seiner neuproduzierten, raumgreifenden Installation konkrete Bezüge zu Münster her. Dazu bringt er gefundene Objekte und Tafelbilder, die er bei Kunstmaler:innen in seinem Herkunftsland Benin in Auftrag gibt, in einen Dialog. Die Beziehungen der Artefakte veranschaulichen einen kulturellen Austausch und plädieren für die Anerkennung unterschiedlicher kultureller Wurzeln anstelle von Hoheitsansprüchen des Globalen Nordens. Adéagbos Arbeit ist auch ein Vorschlag, voreinander zu lernen und klischeeverhaftete Vorstellungen und Hierarchien zugunsten eines gleichwertigen
Miteinanders aufzulösen.

Eine Skulptur aus Plastikcontainern der französischen Künstlerin Anita Molinero (*1953) rückt den Umgang und die Wertvorstellungen von Rohstoffen vor dem Eingang des Westfälischen Kunstvereins in den Fokus. Nicht die traditionell mit dem Erscheinungsbild von Skulpturen verbundenen Materialien wie Marmor oder Bronze sind die Stoffe, die für das 21. Jahrhundert stehen, vielmehr ist es der Müll. Mit wachsender Tendenz vermehrt sich Abfall auf Kosten anderer tagtäglich und symbolisiert für Molinero so den Horizont menschlicher Aktivität.

Künstler:innen Georges Adéagbo (*1942 in Cotonou, Dahomey, Benin, lebt und arbeitet in Hamburg und Benin), Mathis Altmann (*1987 in München, lebt und arbeitet in Berlin), Marwa Arsanios (*1978 in Washington DC, USA, lebt und arbeitet in Beirut und Berlin), Andrea Bowers (*1965 in Ohio, USA, lebt und arbeitet in Los Angeles), Alice Creischer (*1960 in Gerolstein, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin), Cao Fei (*1978 in Guangzhou, China, lebt und arbeitet in Bejing), Thirza Cuthand (*1978 in Regina, Saskatchewan, Kanada, lebt und arbeitet in Toronto), Nina Fischer & Maroan el Sani (*1965 in Emden & *1966 in Duisburg, Deutschland, leben und arbeiten in Berlin), Johan Grimonprez (*1962 in Roeselare, Belgien, lebt und arbeitet in Brüssel, Griechenland und New York City), Christine & Irene Hohenbüchler (beide *1964 in Wien, leben und arbeiten in Wien), Karrabing Film Collective (2008 gegründet, Northern Territory, Australien), Eva Koťátková (*1982 in Prag, lebt und arbeitet in Prag), Elke Marhöfer (*1967 in Adenau/Eifel, lebt und arbeitet in Berlin und auf Sizilien, Italien), Anna McCarthy (*1981 in München, lebt und arbeitet in München), Anita Molinero (*1953 in Floriac, Frankreich, lebt und arbeitet in Paris), Matt Mullican (*1951 in Santa Monica, Kalifornien, USA, lebt und arbeitet in Berlin und New York), Maria D. Rapicavoli (*1976 in Catania, Italien, lebt und arbeitet in New York, USA), Lerato Shadi (* in Mahikeng, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin), Andreas Siekmann (*1961 in Hamm, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin), Radha D’Souza (*1953 in Bommalpalayam, Tamil Nadu, India, lebt und arbeitet in London, England) und Jonas Staal (*1981 in Zwolle, Niederlande, lebt und arbeitet in Rotterdam), Sophie Utikal (*1987 in Tallahassee, Florida, USA, lebt und arbeitet in Berlin), Raul Walch (*1980 in Frankfurt am Main, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin)

Kunsthalle Münster, Hafenweg 28, 5. Stock, 48155 Münster
Öffnungszeiten: Di – So 12 – 18 Uhr / Freier Eintritt
www.kunsthallemuenster.de

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster
Öffnungszeiten: Di – So, 10–18 Uhr. Am zweiten Freitag im Monat 10–24 Uhr, Eintritt: 13 Euro, Ermäßigt: 6,50 Euro
www.lwl-museum-kunst-kultur.de

Westfälischer Kunstverein, Rothenburg 30, 48143 Münster
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 11–19 Uhr, Eintritt: 4 Euro, Ermäßigt: 2 Euro
www.westfaelischer-kunstverein.de

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