ALICE im Wunderland der Kunst


Eingabedatum: 24.06.2012

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Pipilotti Rist, Das Zimmer, 1994, Audiovisuelle Installation (Installationsansicht, Kunstmuseum St. Gallen), Friedrich Christian Flick Collection, Hamburger Bahnhof, Berlin
© Courtesy Pipilotti Rist und Hauser & Wirth, Photo: Stefan Rohner

Seit fast 150 Jahren fasziniert eine der herausragenden literarischen Erfindungen Kinder wie Erwachsene gleichermaßen: Lewis Carrolls Geschichte von der kleinen Alice im Wunderland. Die Abenteuer des Mädchens im rätselhaften Kaninchenbau und hinter den Spiegeln verzauberten schon kurz nach ihrem Erscheinen Königin Viktoria von England wie Oscar Wilde gleichermaßen. Bis heute ziehen sie im Kino ein Millionenpublikum in ihren Bann. Nun wird Alice und den mannigfachen künstlerischen Reaktionen, die sie entfachte, erstmals eine Ausstellung gewidmet. Die Schau Alice im Wunderland der Kunst in der Hamburger Kunsthalle umfasst etwa 200 Werke aus 150 Jahren Kunstgeschichte, darunter Gemälde, Skulpturen, Buchillustrationen, Photographien, Zeichnungen, Filme und Rauminstallationen. Das breite Spektrum an Medien eröffnet dem Besucher die unterschiedlichsten Zugangsmöglichkeiten und verwandelt die Ausstellung selbst in ein anregendes Wunderland.

In den künstlerischen Reflexionen wird besonders deutlich, wie sehr hinter der scheinbar einfachen Kindererzählung ein komplexes Puzzle von Bezügen zur Geistesgeschichte, Logik und Philosophie steckt. Zugleich ist die Erzählung höchst unterhaltsam, bietet Platz für das Absurde, den Nonsens, die A-Logik und ist gewürzt mit Witz und Ironie. Die phantasievolle Traumwelt stellt so in einer spielerischen Form existentielle Fragen: über Individualität und Selbsterkenntnis, Raum und Zeit, das Verhältnis von literarischer Fiktion und empirischer Realität sowie über die Funktion und Macht der Sprache. Alice ist damit selbst zu einer Metapher für künstlerisches Engagement und Sinnsuche geworden.

Seit dem Manuskript, das Lewis Carroll 1864 dem historischen Vorbild – der damals 10-jährigen Alice Liddell – zum Geburtstag schenkte, ist die Visualisierung ein integraler Bestandteil der Erzählung. Mit den epochalen ersten Illustrationen von John Tenniel entstand ein bildnerischer Kosmos, der bis heute ein Eigenleben führt: Alice und die Bewohner des Wunderlandes, die Grinsekatze, HumptyDumpty, das weiße Kaninchen und der verrückte Hutmacher haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben Künstler ihre eigenen Formen für die scheinbar absurde Welt gefunden, die nur von einem höchst neugierigen und unerschrockenen kleinen Mädchen entdeckt werden kann.

Die Ausstellung beginnt mit Werken von Lewis Carroll (mit bürgerlichem Namen Charles Lutwidge Dodgson, 1832-1898), dem Mathematikprofessor, Schriftsteller, Photographen und Kunstsammler. Sie setzt sich fort mit wegweisenden Illustrationen, dokumentiert ebenso Theaterinszenierungen wie auch Filme. Von ersten freien bildkünstlerischen Werken des späten 19. Jahrhunderts ausgehend, hat sie einen Schwerpunkt im Surrealismus. Denn besonders Max Ernst, René Magritte, Salvador Dalí und andere fühlten sich durch Alice bestärkt in ihrer Suche nach dem Phantastischen. Sie setzt sich fort mit Künstlern der 60er und 70er Jahre, die sich mit ihrem Streben nach Bewusstseinserweiterung wie auch mit ihrem neuen Verständnis der Wechselbeziehung von Sprache und Bild auf Lewis Carroll bezogen. Schließlich zeigen Arbeiten zeitgenössischer Künstler von Stephan Huber, Markus Lüpertz bis Anna Gaskell, Kiki Smith und Pipilotti Rist, dass die Faszination an Alice bis heute ungebrochen ist.

Beteiligte Künstler: John Armstrong, Stephan Balkenhol, Alexander Bassano, Yifat Bezalel, Peter Blake, Mel Bochner, Thorsten Brinkmann, AA Bronson, Marcel Broodthaers, Julia Margaret Cameron, Lewis Carroll/alias Charles Lutwidge Dodgson, Salvador Dalí, Jan Dibbets, Walt Disney, Oscar Domínguez Max Ernst, Valie Export, Leonor Fini, Terry Fox, Harry Furniss, Anna Gaskell, Douglas Gordon, Dan Graham, Rodney Graham, Hanna Haaslahti, Cecil Hepworth, Susanna Hesselberg, Gary Hill, Stephan Huber, Arthur Hughes, William Holman Hunt, Pierre Huyghe, John Isaacs, Oskar Kokoschka, Joseph Kosuth, Yayoi Kusama, Paul Laffoley, Torsten Lauschmann, Annie Leibovitz, George Dunlop Leslie, Thomas Locher, René Magritte, Charles Handel Rand Marriott, Duane Michals, John Everett Millais, Paul Nash, Kenton Nelson, Richard Oelze, Philippe Parreno, Claudia Pegel, Adrian Piper, Liliana Porter, William Blake Richmond, Pipilotti Rist, Tim Rollins und K.O.S., Dante Gabriel Rossetti, Tony Sarg, Rüdiger Schöttle, Kiki Smith, Robert Smithson, Monika Sosnowska, Percy Stow, Annelies Strba, Michelle Stuart, Jan Svankmajer, Samantha Sweeting, Dorothea Tanning, Sir John Tenniel, Diana Thater, Luc Tuymans, Veronika Veit, Charles Francis Annesley Voysey, John Wesley, Francesca Woodman, Bill Woodrow, W.W. Young, unbekannter Künstler/britische Schule

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Donnerstag 10 bis 21 Uhr, vor Feiertagen 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

HAMBURGER KUNSTHALLE
Glockengießerwall
20095 Hamburg
hamburger-kunsthalle.de

Medienmitteilung








Weiteres zum Thema: Alice



Wie Gesellschaft und Politik ins Bild kommen, Generali Foundation, Wien (16.9.-18.12.05)


Der im letzten Jahr gestartete Ausstellungszyklus zu Thematiken der Sammlung ist dieses Jahr einem Bereich gewidmet, der wie kaum ein anderer für die Generali Foundation signifikant ist: Kunst - Gesellschaft - Politik. Im Zentrum der Ausstellung, der zweiten in dieser Reihe, stehen künstlerische Herangehensweisen, die gesellschaftliche und politische Bedingungen reflektieren oder mitunter sogar Interventionen setzen. Künstler und Künstlerinnen nehmen in ihren Werken spätestens seit den 1960er Jahren verstärkt und offensiv zu sozialen Fragen der Klasse, des Geschlechts, der ethnischen Herkunft sowie der damit verbundenen gesellschaftspolitischen Parameter Stellung. Einige der vielfältigen und oft überraschenden künstlerischen Strategien, die in diesem Feld eingesetzt werden, sind Thema der Ausstellung mit Werken der Sammlung und Leihgaben.

Die Ausstellung ist durch vier bekannte künstlerische Positionen strukturiert, in deren Arbeit die Thematisierung sozialpolitischer Fragen seit den 1960/70er Jahren ein grundsätzliches Anliegen einnimmt. Die ausgewählten Werke von KünstlerInnen der jüngeren Generation können in Bezug dazu gelesen werden. Nicht einzelne Werke, sondern umfangreichere künstlerische Projekte bilden dabei den Fokus. Gleich mehreren, einander überlappenden kreisförmigen Flächen werden in der Ausstellung die differenzierten künstlerischen Praktiken und Bildpolitiken sichtbar.

Eines der vier Zentren der Ausstellung bildet das "Gallery-Goers’ Birthplace and Residence Profile" (Galeriebesucher - Geburts- und Wohnortprofil, 1969/1970-71) von Hans Haacke (1936 Köln/D - New York/USA). Dieses Werk repräsentiert den Umbruch von seinen Untersuchungen physikalischer und biologischer Systeme zu den legendären Analysen gesellschaftspolitischer und ökonomischer Systeme, die Haacke seit Ende der 1960er bis heute unternimmt. ...

Die kartografische Erfassung komplexer ökonomischer und politischer Systeme ist das Prinzip der Arbeitsweise des französischen KünstlerInnenkollektivs Bureau d’études, die in Zusammenhang mit der Anti-Globalisierungsbewegung entwickelt wurde. Im Auftrag der Generali Foundation entstand 2003 der "World Monitoring Atlas", und in der aktuellen Ausstellung ist erstmals eine Sammlung der kompletten ab 2001 entstandenen fünfzehn Kartografien zu sehen.

Als Konsequenz seiner Auseinandersetzung mit Konzeptkunst, den Beschränkungen der Kunstinstitutionen in Verbindung mit eigenen sozialpolitischen Ansprüchen an seine Kunst hat Stephen Willats (1943 London/GB) die Produktion wie die Präsentation seiner Arbeit aus dem Kunstbetrieb herausgenommen und unmittelbar in die Gesellschaft hinein verlagert. ...

Für ein Auftragswerk mit dem ein Firmengebäude der Generali Versicherung in Berlin mit Kunst ausgestattet werden sollte, lud Maria Eichhorn (1962 Bamberg - Berlin/D) Mitte der 1990er Jahre die Belegschaft , ebenfalls unterstützt durch einen Fragebogen, zu einer Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex "Arbeit / Freizeit" ein. Darauf basierend entstand eine Ausstellung, zu welcher die Mitarbeiter Gegenstände vorschlugen oder direkt als Leihgabe oder Geschenk beisteuerten. ...

Eine aktuell besonders intensiv debattierte Thematik wird im Projekt "Distributive Justice" (Verteilungsgerechtigkeit), distributive-justice.com, von Andreja Kuluncic (1968 Subotica/YU — Zagreb/CRO) behandelt, welches ebenfalls multidisziplinär entwickelt wurde. Erstmals 2001 für die Documenta 11 realisiert, wird die Internetplattform den lokalen Spezifika des jeweiligen Ausstellungskontextes entsprechend immer wieder weiterentwickelt und aktualisiert. ...

Ausstellungsplakat

Die bekannte Foto-Textinstallation "The Bowery in two inadequate descriptive systems" (Die Bowery in zwei unzulänglichen Be- schreibungssystemen, 1974-75) von Martha Rosler (Brooklyn, New York/USA) aus der Sammlung Generali Foundation ist eines der Schlüsselwerke zur grundlegenden Frage, ob die Realität sozialer Missstände in einem künstlerischen Werk mittels Dokumentarfotografie oder Text dargestellt werden kann. Einem Brecht’schen Lehrstück gleich, in unterhaltsamer, aber dennoch tief gehender Weise, öffnet uns Rosler in ihren Performances, Videos oder den Postkartenromanen die Augen für soziale Ungerechtigkeit, ...

Den Anspruch einer relativ leicht zugänglichen, aber nicht minder präzisen Form der Erörterung von sozialpolitischen und ökonomischen Themen in einem künstlerischen Werk setzen auch Alice Creischer / Andreas Siekmann (1960 Geroldstein, 1961 Hamm — Berlin/D) um. In "Occupying Space / Wasting Time" (2005), einem Ausstellungsführer in Verbindung mit einer räumlichen Intervention, die als Auftragswerk für die Ausstellung der Sammlung der Generali Foundation am Haus der Kunst in München entstanden ist, gehen sie Gedanken von Zeit, Arbeit und Verwertung im historischen Kontext einiger der damals ausgestellten Werke nach.

Nach ihren frühen Malereien und den ausschließlich auf Text basierenden, streng konzeptuellen Werken der 1960er Jahre adressiert Adrian Piper (1948 New York - Cape Cod/USA) seit den 1970er Jahren in ihren Arbeiten Rassismus und Xenophobie. In Foto- und Videoarbeiten und oft großräumigen Installationen, wie in ihrer Multi-Media-Installation "Black Box/White Box" (1992) , stellt sie eine direkte und unmittelbare Beziehung zwischen BetrachterInnen und Kunstwerk her, die durch bestimmte Text- und Bildstrategien erreicht wird. Piper setzt Worte wie zum Beispiel „hier“, „jetzt“, „Du/Sie“ ein, oder Darstellungen von Menschen, die den Betrachter- Innen direkt in die Augen sehen, und verwendet dafür den Begriff der „indexikalischen Gegenwart“.

Ähnlich konsequent widmen Klub Zwei (Simone Bader, 1964 Stuttgart/D und Jo Schmeiser, 1967 Graz — Wien/A) ihre künstlerische Arbeit den Themen Antisemitismus, Rassismus und Sexismus. In ihrer Projektreihe "Arbeit an der Öffentlichkeit" entwickelten sie eine Struktur der Zusammenarbeit, die von den beteiligten Migrantinnengruppen mitbestimmt wird. ... (Presse / Generali Foundation)

Künstlerliste: Bureau d’études, Alice Creischer / Andreas Siekmann, Maria Eichhorn, Hans Haacke, Klub Zwei / SFC - Schwarze Frauen Community, Andreja Kuluncic, Adrian Piper, Martha Rosler, Stephen Willats.

Kuratorin: Sabine Breitwieser
Kuratorische Assistentin, Ausstellungsproduktion: Sonja Feßel

Abbildung: Martha Rosler, Election (Lynndie), 2004 aus der Serie Bringing the War Home, new series, 2004 Courtesy Martha Rosler

Öffnungszeiten: Di bis So, feiertags 11 bis 18, Do bis 20 Uhr

Generali Foundation | Wiedner Hauptstraße 15 | 1040 Wien | Tel.: + 43 1 504 98 80
http://foundation.generali.at


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