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B3 Biennale

Roman Ondak ist Preisträger des Lovis-Corinth-Preises 2018

Lovis-Corinth-Preis

Juli 2017
Eingabedatum: 21.07.2017

bilder

Der Konzeptkünstler Roman Ondak erhält den Lovis-Corinth-Preis 2018. Der bereits seit knapp 45 Jahre bestehende Kunstpreis würdigt das international herausragende Gesamtwerk von Künstlerpositionen, die einen biografischen oder thematischen Bezug zum östlichen Europa haben. Mit der Verleihung des Lovis-Corinth-Preises ist eine Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg verbunden. Eine umfangreiche Präsentation von älteren bis neuesten Arbeiten des slowakischen Künstlers Roman Ondak zeigt das KOG ab Mai 2018.

Roman Ondak ist einer der profundesten Konzeptkünstler unserer Zeit. Ausgehend von sehr persönlichen Eindrücken – Objekten wie Erlebnissen – schafft er Arbeiten, die universell verständlich und leicht zugänglich sind. Seine Werke sind klug und stecken voller Anspielungen, doch kommen sie niemals elitär daher. Ondaks Kunst wird international geschätzt und verstanden. Sie schlägt Brücken zwischen Menschen und ist darin einem humanistischen Ideal verpflichtet, das zeitlos und denkbar aktuell ist.

Roman Ondak wurde 1966 in Žilina / Slowakei geboren. Sein Studium absolvierte er zwischen 1988 und 1994 an der Akademie der Bildenden Künste in Bratislava. Mit seiner Arbeit Loop bespielte der Künstler 2009 den tschechischen und slowakischen Pavillon während der Biennale in Venedig. In den letzten Jahren erhielt er zahlreiche Einzelausstellungen u. a. 2006 in der Tate Modern, London, 2007 in der Pinakothek der Moderne, München, 2011 im Modern Art, Oxford, 2012 in Deutsche Guggenheim, Berlin, und im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris, 2013 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid sowie 2015 im Times Museum, Guangzhou. Derzeit zeigt das Kunsten Museum of Modern Art, Aalborg, seine Ausstellung „History Repeats Itself“.

Der Lovis-Corinth-Preis – benannt nach dem aus Tapiau/Ostpreußen stammenden Maler Lovis Corinth (1858–1925) – wurde erstmals 1974 von der KünstlerGilde e.V. und dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie ausgelobt. Die seit 2006 im Zweijahresrhythmus erfolgende Preisvergabe richtet sich an Bildende Künstlerinnen und Künstler (Malerei, Grafik, Plastik/Skulptur, Installation, Fotografie, Neue Medien), deren Werk in der Zugehörigkeit zur Gegenwartskunst im östlichen Europa sowie in der Auseinandersetzung mit dieser entstanden ist oder die deutsche Kunst in den historischen deutschen Kulturlandschaften reflektiert. Die Verleihung erfolgt in Würdigung eines international bedeutenden Gesamtwerks, das für die Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen einen relevanten Beitrag leistet. Der Lovis-Corinth-Preis 2016 ging an den Objektkünstler Daniel Spoerri. Seit diesem Jahr lobt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie den Preis ohne die KünstlerGilde in Kooperation mit wechselnden Partnern aus. Die KünstlerGilde ist nach wie vor in der Jury vertreten. Sie besteht aus Hansjürgen Gartner, Bundesvorsitzender der KünstlerGilde e.V., Dr. Agnes Tieze, Direktorin Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr. Nina Schleif, Leiterin der Grafischen Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, Dr. Thomas Elsen, Leiter H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg und Prof. Dr. Burcu Dogramaci, Institut für Kunstgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München.

Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Dr.-Johann-Maier-Str. 5
93049 Regensburg
kunstforum.net

Presse











Daten zu Roman Ondak:


- Art Basel 2013

- Art Basel 2016

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- Berlin Biennale 2010

- Biennale Venedig 2009 Pav

- Biennale Venedig 2011

- daad Stipendiat

- documenta 13, 2012

- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou, 2016

- evn sammlung

- Frieze London 2013

- Frieze London 2016

- Galerie Martin Janda

- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015

- Gwangju Biennale, 2014

- Johnen Galerie

- kurimanzutto - Gallery

- Liverpool Biennale 2012

- Manifesta 1, 1996

- Manifesta 3, 2000

- Medienturm Kunstverein Graz

- MoMA Collection

- Tate Post War Collection ,London

Weiteres zum Thema: Roman Ondak



Ungleiche Platzverteilung / Exciting Europe in der GFZK, Leipzig (02.07.04 - 22.08.04)


"Ungleiche Platzverteilung" / "Exciting Europe" - zwei Ausstellungen, die im Rahmen der "Kulturellen Territorien", einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Zusammenarbeit mit der Galerie für zeitgenössische Kunst, stattfinden. In der ersten Ausstellung thematisieren Künstler den öffentliche Raum mit seinen mit unterschiedlichen kulturellen Spezifika, in der zweiten findet eine künstlerische Auseinandersetzung mit Migration statt.

"Ungleiche Platzverteilung"

"Der öffentliche Raum ist Bühne, Treffpunkt, Kommunikation und ein Territorium voller Beschränkungen und Geschichte. Wie nutzen wir diesen? Und wie teilt sich dieser auf? Die KünstlerInnen der Ausstellung beobachten den öffentlichen Raum, intervenieren und handeln häufig innerhalb sozialer, politischer und soziologischer Fragestellungen.
Roman Ondák (Bratislava) beobachtet seit mehreren Jahren Warteschlangen und sammelt Bilder von diesen in unterschiedlichen Zusammenhängen. Mit dem Thema des Wartens verbindet jeder eine andere Geschichte. Die Psychologie der Schlange ist vielfältig. Neugier, Mangel, Geduld, Sehnsucht und Zeit sind nur einige der assoziierbaren Phänomene der alltäglichen Performance im öffentlichen Raum. Ondak inszeniert entweder das Warten als Performance vor dem Kölnischen Kunstverein 2003 oder er implantiert gesammelte Fotos der Wartenden in Tageszeitungen und setzt diese somit in neue Zusammenhänge.
Arunas Gudaitis’ (Vilnius) Video >The Meeting Point< ist das Resultat einer langen Beobachtung junger Männer, die sich allabendlich in gleicher Formation an einer Straßenkreuzung in Vilnius treffen. Auffallend ist, dass sie in einem archaisch anmutenden Kreis stehen und reden. Sie sind, wie der Künstler sagt, stolz, aggressiv, heterosexuell und mutig. Was sie besprechen, erfährt man nicht. Auch nimmt man sie eher als Schatten denn als Individuen wahr. Sie stecken hier ihr Territorium im öffentlichen Raum bedrohlich dicht ab – ein Eindringen erscheint unmöglich bis gefährlich.
Igor Tosevski (Skopje) installierte 2004 in der Innenstadt Skopjes so genannte >free territories<, die sich mittels Begrenzungslinien von der sonstigen Umgebung abhoben. Jede Handlung, die innerhalb der Fläche durch PassantInnen geschah, wurde von Tosevski als freie künstlerische Äußerung definiert. Die freien Territorien markieren ein Stück öffentlichen Raumes und erklären diesen als freie Denk- und Kunstzone. Tosevski wird auf dem Gelände der Galerie ein <free territory< abstecken und durch Plakate darauf hinweisen, was innerhalb dessen erlaubt und was verboten ist.
Audrius Novickas (Vilnius) zeigt in seinem Film >VIP Sightseeing Tour of Vilnius> diverse Besuche von Staatsoberhäuptern in Vilnius. Das gefundene Filmmaterial legt offen, was gewöhnlich im Archiv verschwindet. Gerhard Schröder, Jacques Chirac, der norwegische König und seine Frau laufen durch die sanierten Stadtteile, die wie Tourkulissen wirken. Das Protokoll der Besuche plant Zufälliges bereits mit ein. So gibt Schröder einem Bettler litauisches Kleingeld, welches er zufällig dabei hat. Die >Präsidenten-Route< macht aus der Innenstadt von Vilnius ein Spielfeld mit strengen Regeln.
Am 10.05.1979 fand auf dem Balkon von Sanja Ivekovic (Zagreb) eine 18-minütige Performance statt. Präsident Tito besuchte die Stadt. Die Parade führte an Ivekovics Haus vorbei. Sie selbst befand sich auf dem Balkon und konnte nur von dem Wachposten des gegenüberliegenden Hauses gesehen werden. Die Parade ignorierend, trinkt die Künstlerin Whisky, liest ein Buch und beginnt zu masturbieren – oder zumindest sieht es so aus, als würde sie es tun. Kurze Zeit später versucht man, an der Haustür klingelnd, sie daran zu hindern. Ivekovic agiert an der Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichen Raum und nutzt sie als politische Plattform.
Tadej Pogacar (Ljubljana) ist mit den Arbeiten >Kings of the Street< und dem Spiel >Monapoly< in der Ausstellung vertreten. In >Kings of the Street< zeigt Pogacar Obdachlose, die er für die Dauer seines Projektes zurück in die Innenstadt Ljubljanas bringt. Die im Zuge der Stadtsanierung verdrängten Randgruppen erobern auf Podesten sitzend kurzzeitig ihr altes Territorium zurück. Die Performance hinterfragt soziale Gerechtigkeit, Disbalance und Handlungsmöglichkeiten innerhalb strikter werdender Ökonomien. Das Spiel >Monapoly< versteht sich als neue, kritische Version von Monopoly. Der Inhalt des Spiels beschäftigt sich mit der Situation von >sex workers in der Zeit des Spätkapitalismus und Globalisierung<. Das Spiel resultiert aus Pogacars langjähriger Beschäftigung mit der Situation von sex workers weltweit. Dass hierbei der öffentliche Raum und Territorien eine maßgebliche Rolle spielen, ist Teil der Diskussion.
Milica Tomic (Belgrad) macht mit ihrer Arbeit >Belgrade Remembers...< auf das Schweigen der Belgrader während der Greueltaten gegen PartisanInnen im 2. Weltkrieg und dadurch indirekt auch auf das Nicht-Protestieren gegen das Regime und den Krieg der 90er Jahre aufmerksam. In der Innenstadt Belgrads, die sich heute als liberal bezeichnet und sich damit brüstet, wurden in den 40er Jahren PartisanInnen öffentlich gehängt. Die BewohnerInnen schwiegen. Tomic nutzt die Geschichte, um mit einer Performance politisch auch auf die jüngere Vergangenheit aufmerksam zu machen. Der öffentliche Raum dient hierbei als Kommunikator und Bühne.
Maja Bajevic (Sarajewo/Paris) engagierte 1999 für ihre Arbeit >Women at Work - Under Construction< fünf Flüchtlingsfrauen, die mit ihr fünf Tage lang jeweils fünf Stunden auf dem Gerüst der National Galerie von Bosnien-Herzegowina arbeiteten. Die Frauen sollten in das Baunetz Stickereien anbringen. Einerseits thematisierte Bajevic die Galerie mit all ihrem Erbe und die Vergangenheit. Gleichzeitig symbolisierte die Handlung der Frauen die Notlage des Landes in der Gegenwart. Die Frauen eigneten sich den exponierten Raum auf diese Weise in einer sehr weiblich konnotierten Art und Weise – stickend – an, allerdings vor den Augen der Öffentlichkeit." - kuratiert von Julia Schäfer und Suzana Milevska

"Exciting Europe"

“Dort, weit weg,
fand jemand anderer seinen Weg”
Gedicht auf einem der gestickten Tücher der Künstlergruppe ?kart, die in Zusammenarbeit mit Migrantinnen in Belgrad entstanden sind.

Migration und damit in Verbindung stehende Transformationen sind nicht nur in den Schengen-Ländern Dauerthemen, sondern auch außerhalb der EU und an den Grenzen Europas. Diese Tatsache ist dem westlichen Teil Europas nicht bewusst, vielmehr wird der Eindruck vermittelt, dass ein Teil der Welt einzig auf dem Weg in die EU ist und hier Raum beansprucht, was nicht reibungslos vor sich geht. Migration umfasst jedoch eine Bandbreite von Aspekten und lässt sich nicht mit einem Klischee darstellen. Europäische Städte und Länder außerhalb der Schengengrenze, die aus EU-Sicht gern als “sichere Drittländer” bezeichnet werden, sehen sich ebenso mit verschiedenen Fragestellungen im Zuge von Migration konfrontiert.
Die Ausstellung präsentiert acht künstlerische Analysen und Projekte zu Aspekten von Migration im Europa jenseits der EU bzw. jenseits der Schengengrenze.

Esra Ersen hat die Lebensumstände der Istanbuler Black Community zum Gegenstand des Videos Brothers and Sisters gemacht und sich vorsichtig in eine wenig bekannte Gesellschaft begeben. Sie zeichnet Einzelschicksale nach, z.B. von einem Mann, der nach Istanbul geschleust wurde, obwohl ihm Hamburg versprochen wurde, oder von einer Frau, die sich kaum auf die Straße wagt, weil sie von türkischen Männern angepöbelt wird. Aus den einzelnen Interviews wird deutlich, wie alle ProtagonistInnen auf ihre Weise mit Kultur und Geschichte der “neuen Heimat” umzugehen versuchen.

Gülsün Karamustafa portraitiert eine Gruppe musizierender Kinder vor einer Stiege im Stadtraum Istanbul. Es handelt sich um Kinder rumänischer Einwanderer, die im Zuge der politischen Umstürze in Osteuropa in die Türkei gekommen sind. Sie versuchen sich in Istanbul als Musikanten durch das Leben zu schlagen. Staircase, so der Titel des Videos, erzeugt ein melancholisches Stimmungsbild von der Lebenslage der Kinder.

Martin Krenn arbeitet an dem längerfristigen künstlerischen Forschungsprojekt City Views. Er befragt MigrantInnen in den unterschiedlichsten europäischen Städten und zeichnet so kontinuierlich an einer imaginären Karte migrantischer Befindlichkeit. In der Regel unterhält er sich mit Personen, die sich einige Zeit im Land befinden und im Laufe ihres Aufenthaltes mit bestimmten Räumen angefreundet haben. Gemeinsam mit den MigrantInnen werden Motive dieser Orte festgelegt und fotografiert, auf der Basis von Gesprächen werden Statements zu den einzelnen Fotografien ebenfalls gemeinsam entwickelt.

Kristina Leko hat in dem Videoprojekt Sarajevo International zwölf Menschen zu Wort kommen lassen, die aus ganz verschiedenen Gründen und aus unterschiedlichen Ländern sowie sozialen Umständen während und nach dem Krieg nach Sarajevo gezogen sind. Diese zwölf Personen schildern, wie sie aus beruflichen, privaten, ökonomischen oder weltanschaulichen Gründen beschlossen, sich in Sarajevo eine Existenz aufzubauen.

Adrian Paci thematisiert in der Fotoserie Back Home die Lücken, die durch Emigration entstehen, im konkreten Fall in Albanien. Er hat mit albanischen MigrantInnen in Italien Kontakt aufgenommen, anschließend deren Wohnräume in Albanien besucht und als Kulissen gemalt, vor denen er wiederum die ehemaligen BewohnerInnen in der neuen Heimat posieren ließ. Das Zurückgelassene, das einen immer wieder einholt, spielt hier ebenso eine Rolle wie das Bestreben, die Zurückgebliebenen mit Informationen über die Entwicklung der neuen Existenz zu informieren bzw. zu täuschen.?Judith Siegmund hat drei Frauen aus Weißrussland, Litauen und Lettland interviewt, die an der deutsch-polnischen Grenze als Prostituierte arbeiten. Sie berichten in ihren Muttersprachen über Fremde Freier, so auch der Titel der Arbeit - diese Freier sind in der Regel deutsche Männer. Damit wird der Versuch deutlich, die Frauen selbst ihre spezifische migrantische Position beschreiben zu lassen, aber immer in Relation zum Mittelpunkt des Geschäftsinteresses, zu den Kunden.

Die Gruppe ?kart arbeitete in Workshops an verschiedenen europäischen Orten mit Migrantinnen an dem Projekt 10 with Onions. Die Workshops sind eigentlich Handarbeitszirkel, in denen die Frauen dazu angeregt werden, persönliche Eindrücke und Erfahrungen im Spannungsfeld zwischen alter und neuer Heimat in formal traditionellen Sticktüchern umzusetzen. Zeitgenössische Fragestellungen kontrastieren aufs Intensivste mit dem traditionellen Formenkanon, der bei den Handarbeiten zum Einsatz kommt.

Social Impact hat die Videoinstallation paprenjak_prison erstellt, die ein Flüchtlingslager in der Nähe der kroatischen Hauptstadt Zagreb zum Inhalt hat. Die Arbeit versucht auf emotionaler Ebene einen Eindruck von den trostlosen Zuständen in dem Lager und den persönlichen Hintergründen einiger Insassen zu vermitteln. Das Nichtstun ist dominierendes Programm, von Arbeit kann keine Rede sein und so bleibt außer dem Fernseher nur der Blick auf die vorbei führende Autobahn. Parallelen zum dumpfen Dahinvegetieren der Tiere im Zagreber Zoo werden aufgezeigt.

Die beiden KuratorInnen der Ausstellung Margarethe Makovec und Anton Lederer sind die künsterischen LeiterInnen von < rotor >, eines Grazer Vereins für zeitgenössische Kunst, der seit Jahren einen Schwerpunkt in der Arbeit mit den Kunstszenen im östlichen Teil Europas gesetzt hat.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Kulturellen Territorien statt, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Zusammenarbeit mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig." (Quelle: GFZK / Presse)

Foto: Presse / GFZK, Arunas Gudaitis: Meet

Ausstellungsdauer: 02.07.04 – 22.08.04

Öffnungszeiten: Di/Mi/Do/Fr/Sa 14.00-19.00 Uhr | So 12.00-19.00 Uhr

Galerie für Zeitgenössische Kunst | Karl-Tauchnitz-Str. 11 | D-04107 Leipzig | Fon: +49-341-140 81 25
gfzk.de

Roman Ondák - Galerie im Taxispalais, Innsbruck (19.1.-4.3.07)


Roman Ondák zählt zu den international gefragten Künstlern seiner Generation (so war er u.a. im Sommer 2006 mit einer großen Installation in der Tate Modern, London, vertreten und nahm im gleichen Jahr an der renommierten Biennale Sao Paulo teil). Seine Ausstellung in der Galerie im Taxispalais ist seine erste Einzelpräsentation in einer österreichischen Kunstinstitution.

Roman Ondák verlagert in kaum wahrnehmbaren Verschiebungsprozessen alltägliche Situationen in den Ausstellungskontext, um dabei auf subtile Weise gesellschaftliche Verhaltensformen, Wünsche, Ideen oder Fantasien einzufangen, wobei er zugleich ein Zeitmoment einbaut, in dem er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschränkt. In unterschiedlich konzipierten Situationen, Aufgabenstellungen oder Anweisungen macht er dabei das Publikum oder außen stehende Personen, Bekannte, darunter auch Kinder, Arbeiter einer Fabrik ebenso wie einen Politiker, den er in einem Brief anspricht, zu Ko-Produzenten seiner Arbeiten. "Ondáks Arbeiten sind oft auch dann lesbar, wenn sie nicht als Kunstwerke erkannt werden. Mehr noch, vielfach setzt er Kunst als Mittel ein, unsere Aufmerksamkeit für das Alltagsleben und darin vorkommende Situationen zu schärfen, die nicht selten zugleich lesbar, metaphorisch und poetisch sein können." (Igor Zabel)

In der Serie Futuropolis (2006) lässt Ondák sogenannte "Amateure" Bilder von ihrer Vision einer Megalopolis der Zukunft zeichnen; in Casting Antinomads (2000) befragte er Bekannte, ob sie sich eher als "Nomaden" oder als "Antinomaden" sähen, um dann letztere in ihrem häuslichen Umfeld fotografisch auf Postkarten festzuhalten. Sechs Jahre später bringt er die "Antinomaden" wieder ins Spiel: Einerseits als umfassende Fotoserie, in der die Protagonisten in verschiedenen Einstellungen - einem Casting vergleichbar - gezeigt werden. Andererseits lässt sich der Künstler die Postkarten von befreundeten Personen, darunter auch aus dem Kunstbetrieb, mit einem handgeschriebenen kurzen Text an seine Adresse in Bratislava schicken. Die Postkartenserie, die zusammen mit der Fotoserie gezeigt wird, bildet eine komplexe Raum-Zeit-Schleife, nicht nur für die Porträtierten, sondern auch für den Künstler und sein Umfeld.

Das Video Resistance (2006) zeigt eine Performance, die sich gleichsam "zwischen den Zeilen" während einer öffentlichen Veranstaltung ereignete. Ondák hatte einige Träger von Schuhen mit Schuhbändern gebeten, diese einfach offen zu lassen und sich mit schleifenden Bändern durch die Ausstellung zu bewegen, was kaum Beachtung fand.

The Stray Man (2006) dokumentiert die tägliche Wanderung eines Mannes, dessen Aufmerksamkeit plötzlich von den großen Fensters eines öffentlichen Gebäudes erregt wird. Vielleicht aufgrund seiner Unentschlossenheit oder seiner Besessenheit wandert er weiter um das Gebäude und blickt von Zeit zu Zeit durch die Fenster in das Innere.

Waren diese beiden Performances vom Künstler durch seine Akteure direkt in Szene gesetzt, gibt es auch Arbeiten, die einen indirekten performativen Effekt auf die Besucher-Innen haben, wie z.B. More Silent Than Ever (2006), ein in einem völlig leeren Raum angebrachtes Hinweisschild auf eine angebliche verborgene Überwachungsanlage.

Neben den genannten Arbeiten wird Roman Ondák in der Galerie im Taxispalais eine Reihe weiterer Video- und Fotoarbeiten zeigen und eine große, eigens für den Innenhof der Galerie konzipierte Installation mit dem Titel Here or Elsewhere (2006).

Die Arbeiten Casting Antinomads (2000) und Futuropolis (2006) wurden von der Galerie Martin Janda in Zusammenarbeit mit der Galerie im Taxispalais produziert und auf der Biennale Sao Paulo gezeigt.

Roman Ondák wurde 1966 in Zilina, Slowakei, geboren. Er lebt und arbeitet in Bratislava. (Presse / Galerie im Taxispalais)

Abbildung: Roman Ondák,"Futuropolis", Serie von 100 Zeichnungen, 2006. Courtesy Galerie Martin Janda, Wien und gb agency, Paris

Öffnungszeiten: Di-So 11-18, Do 11-20 Uhr

Galerie im Taxispalais
Maria-Theresien-Str. 45
A-6020 Innsbruck
T +43/512/508-3170, -3173

galerieimtaxispalais.at