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Matt Mullican. Vom Ordnen der Welt


Eingabedatum: 03.06.2011

Mit seiner künstlerischen Arbeit verfolgt Matt Mullican das Ziel, die Ordnung der Welt zu erkennen. Ausgangspunkt seines künstlerischen Konzepts ist es, die Beziehungen zwischen der Wirklichkeit und ihrer Wahrnehmung zu untersuchen. Bei seiner Absicht, die Bedeutung der Dinge festzustellen, stützt sich Matt Mullican auf die Methode der Enzyklopädie; mit ihr kann er das, was er sieht und vorfindet, kategorisieren.

Seine künstlerische Praxis konzentriert sich auf zwei Felder: zum einen die bildnerischen Arbeiten, die vielfältige Darstellungsformen - wie Zeichnung, Fahnen, Skulpturen, Video, Fotografie, Grafik, Installation - umfassen; zum anderen die Performance-Projekte, bei denen Matt Mullican meist mit der bewusstseinserweiternden Technik der Hypnose arbeitet.

Gestalt, Wirklichkeit, Wahrnehmung

Mit dem bildnerischen Teil seines Werkes entwirft Matt Mullican sein persönliches "Modell einer Kosmologie". Grundlage hierfür ist eine kartografische Struktur, die mit einem Farb- und einem Zeichensystem gestaltet wird. Darin steht Grün für die Materie, Blau für unsere Alltagswelt, die voller unzähliger Bilder von bestimmten Gegenständen ist, Gelb für die vom einzelnen Gegenstand gelöste, abstraktere Vorstellung oder Idee an sich, Schwarz und Weiß für Sprache, Rot für das Subjektive. Diese Farbsymbolik kombiniert Matt Mullican mit einem System von vorgefundenen oder selbst entworfenen Piktogrammen, in dem es neben Zeichen für ganz Alltägliches auch Zeichen für Himmel, Gott, Vor-der-Geburt, Leben, Schicksal, Dämon und Engel, Tod und Hölle gibt. Dabei lebt Matt Mullican wie ein Enzyklopädist die Illusion, buchstäblich jede menschliche Verfassung und Tätigkeit in sein Modell integrieren und darstellen zu können.

Es liegt in der Natur dieses Unterfangens, dass Matt Mullican seinen Versuch einer Welterklärung nicht abschließen kann. Dennoch hält er daran fest und setzt den Versuch fort. Man kann sein bildnerisches Schaffen daher als eine Utopie von Ewigkeit lesen, wo die Rätsel des menschlichen Lebens gelöst wären, das Universum vollkommen begreiflich geworden wäre und der Mensch durch sein alles umspannendes Wissen die Sterblichkeit überwunden hätte.

Hypnose, Trance, Performance

Matt Mullican führt in hypnotisiertem Zustand Performances durch. Vor der Hypnose trifft er eine Vereinbarung mit seinem Hypnotiseur, was er während der Hypnose tun möchte oder soll - z.B. frühstücken, singen, Zeitung lesen, zeichnen oder Wände bemalen - und führt unter Hypnose dann dessen Direktiven aus.

Als Hypnose bezeichnet man einen veränderten Bewusstseinszustand, der sich wesentlich vom ´normalen` Tagesbewusstsein unterscheidet. Üblicherweise zensiert das Tagesbewusstsein viele unbewusste Inhalte und macht sie dadurch unzugänglich. Im Trancezustand der Hypnose wird der Kontakt mit diesen ausgeblendeten Seiten möglich.

Matt Mullican gibt an, durch Hypnose zu einem tieferen Selbstverstehen zu gelangen. Worin dieser allmähliche Fortschritt jedoch genau besteht, lässt er in der Schwebe. Über sein Hypnose-alter-ego äußert er sich distanziert. Wörtlich sagt er: "that person", "mentally disturbed", "Pinocchio", "he wants to live so badly", "he doesn´t exist". Die Integration und Akzeptanz der ausgeblendeten Persönlichkeitsanteile scheint längst nicht abgeschlossen.

Die Zeichnungen, die unter Hypnose entstehen, sind von einem spontanen Gestus geprägt. Sie sind teils gegenständlich, teils abstrakt und bestehen aus wenigen Linien. Es dominieren freihändig gezogene Kurven, Schleifen und beinahe kalligrafische Figuren. In dieser Weise, bei der sich rundliche Buchstaben nahtlos aneinanderfügen, schreibt bzw. malt Matt Mullican z.B. Speisekarten, Zahlenreihen, Hitparaden oder Songtexte.
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Eine große Anzahl von Kisten mit archäologischen Funden wird in die Präsentation integriert. Das zum Teil noch unbearbeitete Material stammt aus dem Depot der dem Haus der Kunst benachbarten Archäologischen Staatssammlung.

Für die Außenfassade des Haus der Kunst ist ein Farbtunnel aus licht- und luftdurchlässigen, einfarbigen Bannern geplant. Die Farbpalette ist wie üblich Grün, Blau, Gelb, Schwarz und Rot. Zwischen je zwei Säulen soll ein Banner hängen und den Quergang dahinter in die entsprechende Farbe tauchen.

Abbildung: Matt Mullican
Matt Mullican under Hypnosis, Detail
(Performance from 2007 at the Tate)
© 2011 Haus der Kunst

Öffnungszeiten: mo–so 10–20 h
do 10–22 h

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
D 80538 München
Tel. +49 89 211 27-115
hausderkunst.de

Medienmitteilung





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