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B3 Biennale

Hans Haacke - Gift Horse

28. 04. - 20. 08. 2017 | Haus der Kunst, München
Eingabedatum: 19.04.2017

bilder

Das Haus der Kunst freut sich, Hans Haackes monumentale Plastik Gift Horse (2015) in seinen Räumen zeigen zu können. Ursprünglich im Auftrag der City of London als zehnter Beitrag für den Skulpturensockel "Fourth Plinth" am Trafalgar Square entstanden, wurde dieses Werk inmitten hitziger Debatten über die Ausgabefreudigkeit der Stadtverwaltung in Zeiten eisernen Sparens während der Finanzkrise enthüllt und dadurch auch in einen Zusammenhang mit den aktuellen sozialen und politischen Verhältnissen überall auf der Welt gebracht.

Die Bronzeplastik stellt, basierend auf einer Radierung des englischen Malers George Stubbs, ein Pferdeskelett ohne Reiter dar. Ein elektronisches, an einem Vorderbein des Pferdes befestigtes Laufschriftband zeigt in Echtzeit die Kurse der Londoner Aktienbörse an, die in München durch einen Live-Ticker der Frankfurter Börse ersetzt werden. Die Arbeit nimmt unmittelbar Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterstandbild von König Wilhelm IV., das ursprünglich für den Sockel vorgesehen war, und versinnbildlicht das Zusammenwirken von Reichtum, Macht und imperialer Geschichte.

Wie Haacke erläutert, zielte sein Projektvorschlag darauf ab, die Beziehung des Denkmals zu Repräsentationen politischer Macht zu erforschen:

"Ich wurde als einer von sechs Künstlern eingeladen, einen Vorschlag für den vierten Sockel an der nordwestlichen Ecke des Trafalgar Square einzureichen. Der Sockel stand seit 150 Jahren leer. Georg IV., dessen Reiterstatue einen Sockel an der Nordostecke ziert, hatte in seiner Regierungszeit so viel Geld ausgegeben, dass es unter dem Nachfolger, seinem jüngeren Bruder Wilhelm IV., nicht mehr für einen Ritt auf dem Bronzepferd reichte.

Nachdem ich mehrere Einfälle verworfen hatte, schien mir eine Bezugnahme auf den Brauch, Herrscher auf Pferden zu verewigen, angebracht. (Ich bin nicht der erste Fourth Plinth-Künstler, der das tut.) Meine Verewigung sollte ein Pferdegerippe mit Live-Verzierung sein - und keinen Reiter haben.

Zum Projektvorschlag für den Fourth Plinth gehörte ein Bild, dem man entnehmen konnte, wie das Ganze am Ende aussehen würde. Da ich keinerlei Kenntnis von Pferdeskeletten besaß (auch was das angeht, bin ich wohl nicht der einzige), fragte ich eine Bibliothekarin, ob sie einschlägige Publikationen kannte. Sie verwies mich auf The Anatomy of the Horse von George Stubbs. Von meinen Besuchen in der Tate kannte ich Stubbs als Maler von Pferden und englischen Adeligen auf Pferden. Aber mir war neu, dass er als Sohn eines Gerbers eigenhändig Pferde seziert und seine Beobachtungen als Radierungen in diesem Buch veröffentlicht hatte. Dann fand ich heraus, dass gleich in nächster Nähe des Trafalgar Square ein Porträt von Whistlejacket, einem sich aufbäumenden Araberhengst, das sein Besitzer Charles Watson-Wentworth, zweiter Marquis von Rockingham, in Auftrag gegeben hatte, in einem großen Saal der National Gallery hängt. Dieser Marquis war ein Whig und zweimaliger Premierminister und laut Wikipedia 'selbst nach den Maßstäben dieser wohlhabenden Kreise außergewöhnlich reich'. Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist - betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Reverenz an die City, die Wallstreet von London."

Nach seiner erfolgreichen Enthüllung in London wird Gift Horse in Absprache mit Haacke am Haus der Kunst in der monumentalen Mittelhalle gezeigt, um so eine weitere Ebene der Resonanz auf die für viele europäische Plätze und Gebäude bestimmende öffentliche Machtdarstellung zu eröffnen. Denn diese Plastik ist insbesondere in ihrer Anknüpfung an zeitgenössische Zurschaustellungen von Macht, Wert, Reichtum und politischem Gedächtnis interessant. Unmittelbar beim Betreten der Mittelhalle im Haus der Kunst werden die Besucher mit dem auf einem monumentalen Sockel aufgestellten Gift Horse als Antwort auf die zeremoniell aufgeladene und propagandistische Vergangenheit der ehemaligen Ehrenhalle konfrontiert. Die skulpturalen Merkmale von Haackes scharfsinniger Reflexion über Macht bilden einen Gegensatz zur monumentalen Dimension der Mittelhalle, besonders auch im Kontext der Diskussionen über die bevorstehende Renovierung des Haus der Kunst.



Die Installation von Hans Haackes Gift Horse in der Mittelhalle des Haus der Kunst wird durch die Paula Cooper Gallery, New York, ermöglicht.



Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Germany

hausderkunst.de

Presse






Daten zu Hans Haacke:

- Bienal do Mercosul 2013
- Biennale Venedig 2015
- Das imaginäre Museum, 2016
- documenta 10, 1997
- documenta 7, 1982
- documenta 8, 1987
- documenta14
- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou, 2016
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Lyon Biennale 2017
- MACBA COLLECTION
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- nbk Berlin
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Sfeir-Semler - Galerie
- SHARJAH BIENNIAL 10, 2011
- Skulptur Projekte Münster 1987
- skulptur projekte münster 1997
- Socle du Monde Biennale 2017
- Tate Post War Collection ,London
- Whitney Biennale 2000

Weiteres zum Thema: Hans Haacke



Öffentliche Kunst als Denkmalkritik


Gegenstand der Untersuchung "Öffentliche Kunst als Denkmalkritik" sind künstlerische Arbeiten, die in Bezugnahme auf Denkmäler konzipiert bzw. realisiert werden, das heißt in Bezugnahme auf öffentliche Erinnerungszeichen, die von vornherein dazu errichtet wurden, an Personen oder Ereignisse zu erinnern. Seit Christos Verhüllung eines Reiterstandbildes auf dem Mailänder Domplatz 1970 ist eine nicht geringe Anzahl denkmalbezogener Arbeiten u.a. von Daniel Buren, Jochen Gerz, Hans Haacke, Jenny Holzer und Krysztof Wodiczko in Auseinandersetzung mit Kriegerdenkmälern, Mahnmalen zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus oder Lenin-Denkmälern entstanden. In der Untersuchung wird deutlich, in welcher Hinsicht Künstler die durch Denkmäler zum Ausdruck gebrachte Erinnerung an Personen oder Ereignisse reflektieren und daß Künstler zumeist kritisch zu den Ausgangsmonumenten Stellung nehmen. Zudem wird verständlich, wie Künstler sich mit der gesellschaftlichen und politischen Funktion von Denkmälern befassen. Einzelanalysen denkmalbezogener Arbeiten bilden die Voraussetzung dafür, Aussagen zur Spezifik denkmalbezogener Kunst im allgemeinen zu treffen sowie Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen der künstlerischen Kommentierung fragwürdig gewordener Denkmäler zu gewinnen. in dieser wissenschaftlichen Publikation wird das Spektrum zeitgenössischer denkmalbezogener Kunst erstmals eingehend untersucht.



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