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Die Anatomische Sammlung der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK Dresden)

November 2019
Eingabedatum: 06.11.2019

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Anatomische Sammlung, HfBK Dresden, Fotografie: © Robert Vanisbilder

Wiedereröffnet, wertvoll und umfangreich: Die Anatomische Sammlung der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK Dresden)

Die Anatomische Sammlung der Hochschule für Bildende Künste Dresden gehört neben vergleichbaren Sammlungen an den Kunstakademien in Paris und St. Petersburg zu den letzten Zeugnissen einer anatomischen Lehre, wie sie seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bis hinein ins 20. Jahrhundert an den europäischen Kunstakademien verbindlich und programmatisch vermittelt wurde. Für diese akademische Lehre entwickelten Mediziner und Künstler gleichermaßen kunstanatomische Objekte, die als Anschauungs- und Demonstrationsobjekte wie als Zeichenvorlagen dienten.

Seit ihrer Gründung 1764 gehörte die Dresdner Kunstakademie zu den Zentren kunstanatomischer Forschung. Neben Ankäufen und Schenkungen konzipierte sie ganz eigene didaktische Lehrobjekte und stellte diese anderen Kunstakademien zur Verfügung. Heute sind diese Zeugnisse eines vertiefenden Körperstudiums an fast allen europäischen Kunsthochschulen verschwunden. Entweder wurden sie kriegsbedingt in den 1940er-Jahren zerstört oder durch Akademiereformen nach 1945 entsorgt. Die Dresdner Kunsthochschule hat jedoch ihre wertvollen und nahezu einmaligen Objekte bewahrt. Auch nach 1950 wurde hier die Künstleranatomie in der Lehre fortgeführt, die Sammlung gepflegt und durch weitere Neukonzeptionen bereichert.

Nach 1990 geriet sie eine Zeitlang in Vergessenheit, ehe sie einige Jahre später als einzigartiger wissenschaftshistorischer Forschungsgegenstand wieder entdeckt wurde. 2014 begannen weitere Forschungen und Maßnahmen zur Restaurierung und Konservierung und seit dem Herbst 2019 bietet die Anatomische Sammlung mit ihren fast 700 Objekten in völliger Neuaufstellung gemäß ihrer ursprünglichen Intention zuvorderst kunstanatomisches Anschauungs- und Übungsmaterial für Studierende. Darüber hinaus wird sie in den interdisziplinären Kontexten der Hochschule und in Verbindung zur Öffentlichkeit nach ihren historischen wie den gegenwärtigen Dimensionen künstlerischen Denkens und Arbeitens befragt.

Schwerpunkte und Inhalt
Die Sammlung mit über 700 Modellen, Präparaten und Lehrtafeln zur Human- und Tieranatomie ist jeweils in Skelettaufbau, Muskelaufbau und Oberflächenanatomie gegliedert. Die Vermittlung der Anatomie des Menschen wird durch Organmodelle unterstützt; die des Tieres durch künstlerische Kleinplastiken. Neben den zahlreichen Präparaten sind vier grundsätzliche Modelltypen in der Sammlung sichtbar: der Naturabguss, die Naturnachahmung, das schematisierte, zerlegbare oder aufklappbare Modell sowie das Funktionsmodell.

Die Anfänge der Anatomischen Sammlung um 1800
Die ersten Anatomievorlesungen hielt der italienische Künstler und spätere Akademiedirektor Giovanni Battista Casanova (1730–1795; jüngerer Bruder des Abenteurers und Schriftstellers) schon kurz nach Gründung der Kunstakademie 1764. In seinem Theorieunterricht über Malerei und Zeichnung vermittelte er Proportion und Ponderation des Menschen; er legte großen Wert auf anatomische Kenntnisse vom Skelett- und Muskelaufbau und entwickelte ein umfängliches Unterrichtsprogramm, das der damaligen klassizistischen Kunsttheorie folgte. Casanova regte an, die Studierenden an Leichensektionen teilnehmen zu lassen. Außerdem wurde ein Skelett angekauft, welches als Startobjekt der Sammlung angesehen werden kann.

Die Etablierung der Sammlung im 19. Jahrhundert
Im Jahr 1814 wurde in der „Constitution der Königlich Sächsischen Akademie der bildenden Künste“ die Künstleranatomie endgültig als „Hülfswissenschaft“ festgeschrieben und dem Mediziner Burkhard Wilhelm Seiler (1779–1843) übertragen, dessen Bemühungen um Unterricht und Sammlung von Kollegen bis ca. 1880 fortgesetzt wurden. Inhalt der Lehre war die Skelett- und Muskelkunde des Menschen mit besonderer Behandlung von Proportion und Statik. Des Weiteren wurde mit der Königlich Chirurgisch-Medicinischen Akademie eine Übereinkunft getroffen, dass die Kunststudierenden an Sektionen teilnehmen und die präparierten Leichname zeichnen durften. Auch die Sammlung der Königlich Sächsischen Thierärztlichen Hochschule wurde für Studien genutzt, insbesondere zum Thema „Pferd“. Im 19. Jahrhundert kaufte die Kunstakademie zahlreiche anatomische Modelle wie Muskelstatuetten (Écorchés) und Naturabgüsse aus Gips zur Oberflächenanatomie. Die Sammlung erfuhr einen kontinuierlichen Ausbau; 1864 wurden Objekte aus der aufgelösten Sammlung der Königlich Chirurgisch-Medicinischen Akademie übernommen.

Die Profilierung der Sammlung im 20. Jahrhundert
Zwei Künstleranatome des 20. Jahrhunderts prägten endgültig das heutige Erscheinungsbild der Sammlung: Hermann Dittrich (1868–1946) in der ersten und Gottfried Bammes (1920–2007) in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Dittrich baute in Zusammenarbeit mit Wilhelm Ellenberger (1848–1929), Direktor der Tierarzneischule und zudem bis 1923 Lehrer für Tieranatomie an der Kunstakademie, die Teilsammlung zur Tieranatomie aus. Doch auch die Humananatomie erweiterte er mit eigenen und mit angekauften Muskelmodellen. Des Weiteren etablierte er die Leichensektion direkt in der Kunstakademie, aus deren Praxis heraus weitere Skelettaufstellungen und eine lose „Gebeinsammlung“ entstanden. Gottfried Bammes bereicherte die Sammlung ebenfalls um viele originäre Lehrobjekte. Er modernisierte den Unterricht ab 1955, konzentrierte sich vor allem auf die Humananatomie und führte höchst schematisierte Funktionsmodelle ein.

Abgründe der Sammlung und heutige ethische Verantwortung
Neben den genannten Hochphasen hat die Geschichte des anatomischen Unterrichts und seiner Sammlung auch ein dunkles Kapitel zu verzeichnen, das nicht von ungefähr in Verbindung mit den Schrecken des Nationalsozialismus steht. Von 1933 bis in das Jahr 1942 unterrichtete der Künstler Fritz Otto Sauerstein (1893–1968) das Fach. Er gestaltete den Unterricht gemäß den Zielen der nationalsozialistischen Ideologie und führte einen Lehrgang für Rassenkunde und Rassenpflege ein. Wie Dittrich sezierte er Leichen, die bis dahin vom Wohlfahrtspolizeiamt des Rates zu Dresden übergeführt wurden. Hierbei handelte es sich um Verstorbene, für die sich verwandtschaftlich niemand verantwortlich fühlte.

Sauerstein forderte jedoch auch Leichname von der Hinrichtungsstätte am Münchner Platz an. Nachweislich hat er 1936 von dort eine Leiche erhalten, vermutlich geschah dies auch 1941. Was mit den Leichnamen nach der Sektion passierte, kann nicht rekonstruiert werden. Untersuchungen der Vorgänge erfolgten 2014 und 2017 und deren Ergebnisse wurden in Forschungsberichten festgehalten. Sie führten zu einer Neubewertung der Präparate und zum Senatsbeschluss, alle losen menschlichen Überreste zu bestatten und nur jene Skelettaufstellungen der Sammlung zu zeigen, deren Herkunft außerhalb dieses Unrechtskontextes steht.

Die Neuaufstellung der Anatomischen Sammlung 2019
Die Neuaufstellung der Anatomischen Sammlung erfolgte innerhalb des Projektes „Körper und Malerei“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), zwischen 2017 und 2019 in mehreren Phasen: Zuerst wurde die komplette Sammlung wissenschaftlich inventarisiert, die Zustände aller Objekte wurden erfasst und ausgewählte Objekte restauriert. Der Raum, dessen offenes Mauerwerk konservatorisch höchst bedenklich erschien, wurde komplett neu verputzt.

Die Sammlung ist nun räumlich in die Bereiche Human- und Tieranatomie und in Schau- und Lehrobjekte unterteilt. Ein Großteil der Objekte wird für den Unterricht mobil gehalten. Der vordere Raum präsentiert die kunstanatomischen Hauptthemen zum Menschen – Skelett- und Muskelaufbau sowie Oberflächenanatomie – flankiert von museal gefassten Objekten zur Organanatomie und Beispielen aus der Zeit nach 1955. Im hinteren Raum befinden sich die Objekte zur Tieranatomie. Hier werden über das anatomische Bild hinaus unterschiedliche Typologien, Themen und Anmutungen von Modellen und Präparaten vorgestellt.

Hochschule für Bildende Künste Dresden

www.hfbk-dresden.de

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