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Ruhe vor dem Sturm!

Postminimalistische Kunst aus dem Rheinland

13. 09. 2015 - 10. 01. 2016 | Museum Morsbroich, Leverkusen
Eingabedatum: 09.09.2015

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Die Ausstellung Ruhe vor dem Sturm gibt den ersten großen Überblick über eine der prägendsten Entwicklungen der modernen Kunst im Rheinland. Seit dem Ende der 1960er- Jahre bis in die jüngste Gegenwart hinein bildet die amerikanische Minimal Art einen Bezugspunkt, mit dem sich Künstlerinnen und Künstler des Rheinlands auf besondere Weise auseinandergesetzt haben. Sie analysieren die Konzeptualität und Strenge ihrer amerikanischen Kollegen und überführen sie zugleich mit Humor, Wärme, intellektueller Souveränität und einem spezifischen Sinn für die Eigenschaften des Materials in eine neue Sphäre.

Die Kunstakademie in Düsseldorf, an der viele der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler studiert oder auch gelehrt haben, stellte einen wichtigen Kristallisationspunkt dar. Joseph Beuys repräsentierte dort in den späten 1960er-Jahren gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern wie Imi Giese, Imi Knoebel, Blinky Palermo und Reiner Ruthenbeck die ganze Vielfalt von Ansätzen der undogmatischen Beschäftigung mit minimalistischen Tendenzen. Ab Mitte der 1970er-Jahre behandelte auch Benjamin Buchloh in seinen Vorlesungen die aktuellen Strömungen – insbesondere die Minimal Art – und sorgte damit für das theoretische Rüstzeug, das eine jüngere Generation begierig aufgriff. Diese zweite Generation von Künstlerinnen und Künstlern wie Rosemarie Trockel oder Thomas Schütte, ist es dann auch, die Ende der 1970er Jahre auf dem Fundament der Minimal Art den fulminanten Start in die Postmoderne anführt.

Minimal Art
In Deutschland waren Werke der Minimal Art erstmals im Jahr 1967 im Programm der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf und 1968 auf der documenta 4 in Kassel zu sehen. Dadurch kam die rheinische Kunstszene schon sehr früh mit den Vertretern der Minimal Art und ihren Werken in Kontakt. Das artsmagazin-Heft vom März 1967 mit dem Titel A Minimal Future? Art as Objekt 1958 – 1968, die umfangreich minimalistisches Kunstschaffen analysierte, war auch im Rheinland eine begehrte und lebhaft diskutierte Ausgabe. Mit der Ausstellung Minimal Art in der Kunsthalle Düsseldorf, die zuvor im Gemeentemuseum in Den Haag gezeigt worden war, hatte die neue Kunstrichtung im Jahre 1969 auch die erste öffentliche Institution in Deutschland erreicht.

Postminimal im Rheinland
Das minimalistische Kunstschaffen besaß in vielerlei Hinsicht einen großen Einfluss auf die Kunstszene im Rheinland. Auf formaler Ebene zeigt sich das zum Beispiel in der Verwen-dung industriell vorgefertigter Materialien sowie anonymer, mechanisierter Produktions-weisen. Inhaltlich wurde die Orientierung bildhauerischer Werke am Maß des menschlichen Körpers bedeutsam. Auch das Prinzip der Reihung, der Serialität, das anstelle einer Kompositionsidee tritt, wurde für viele Künstlerinnen und Künstler wegweisend. Sie alle integrierten – als Konsequenz ihrer Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Vorbild – bestimmte Merkmale der Minimal Art in ihre Arbeitsweise. Zugleich aber luden sie die entstehenden Formen und die verwendeten Materialien wieder mit inhaltlicher Tiefe und einer Vielzahl von Bedeutungen auf, die weit über die Vorstellungen der Minimal Art hinausgingen.

Der Begriff „Postminimal“ wurde erstmals im November 1971 von Robert Pincus-Witten im artforum verwendet und bezieht sich auf eine Erweiterung und Bereicherung der ursprünglichen minimalistischen Strategien. Auch wenn es sich nicht um eine neue Kunstrichtung handelte, so kann man doch von einer besonderen rheinischen Form des Postminimalismus sprechen: Hier werden minimalistische Setzungen ironisch zuspitzt oder humorvoll gebrochen; und im Gegensatz zur minimalistischen Verweigerung von weiterführenden Inhalten oder Erzählungen integrieren die rheinischen Künstlerinnen und Künstler mit großer Zitierfreude die politische, gesellschaftliche und kulturelle Welt wieder in ihre Werke.

So nimmt zum Beispiel Sigmar Polke in seinem Gemälde Carl Andre in Delft (1968) Bezug auf einen der herausragenden Vertreter der Minimal Art, Carl Andre. Allerdings bricht er das Prinzip des Amerikaners, mit industriell gefertigten Stahl- oder Kupferplatten raumgreifende Bodenreliefs zu legen, ironisch auf: Polke malt ein Raster von Delfter Kacheln mit klassi-schen Segelboot-Motiven und konterkariert auf diese Weise die strenge Ablehnung der Minimalisten von jeglichen Bedeutungen oder erzählerischen Werkebenen.

Erinna König wiederum kombiniert ein handelsübliches Metallgitter mit einem schwarzen Frotteetuch, von dessen Rückseite gelbe Farbpunkte wie leuchtende Sterne in den Vorder-grund scheinen. Konsequenterweise nennt sie diese Arbeit Sternenhimmel zum Quadrat (1981) und deutet auf diese Weise an, wie sie sich eine Weiterentwicklung der Minimal Art vorstellte. Rosemarie Trockel schließlich betont mit ihren beiden stereometrischen Schaumstoffarbeiten Ohne Titel und Schaumstoffofen (beide 1989) die Aspekte der Weichheit und der Wärme als Gegenspieler der minimalistischen Härte und „Coolness“. Mit dem Gegensatzpaar ‚cooler Look vs. weiche Haptik‘ thematisiert Trockel in ihrem Werk immer wieder den Widerstreit zwischen dem Leben, der Kunst und der Vergänglichkeit.

Der Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Farbabbildungen aller ausgestellten Werke und einem Vorwort von Markus Heinzelmann und wissenschaftlichen Essays von Margitta Brinkmann und Renate Buschmann.

Kuratoren der Ausstellung sind Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, den 13. September, um 12 Uhr im Spiegelsaal von Museum Morsbroich statt.

Presse



Daten zu Rosemarie Trockel:


- * 13. November 1952 in Schwerte

- 1st Parasophia Kyoto International Festival of Contemporary Culture 2015

- 30 Künstler / 30 Räume, 2012

- ars viva Preistraeger

- Art Basel 2013

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- art berlin 2017

- art cologne 2015

- Biennale Venedig 2011

- Biennale Venedig 2013

- BKV Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V. 2017

- Daimler Art Collection

- documenta 10, 1997

- documenta 13, 2012

- evn sammlung

- Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel, 2006

- Georg Kargl Fine Arts

- Gwangju Biennale, 1997

- Gwangju Biennale, 2014

- Heidelberger Kunstverein

- Istanbul Biennial, 1995

- Istanbul Biennial, 1999

- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung

- MACBA COLLECTION

- Manifesta 1, 1996

- MoMA Collection

- Museo Reina Sofía, Collection

- Museo Reina Sofía, Minimal Resistance

- Preisträger 2014, Kunstpreis der Roswitha Haftmann-Stiftung

- Preistraeger Goslarer Kaiserring

- Sammlung 20. 21. Jh. Kunstmuseum Basel

- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt

- Sammlung DZ Bank, Frankfurt

- Sammlung F.C. Flick

- Sammlung MMK, Frankfurt

- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein

- skulptur projekte münster 2007

- Sprüth Magers Berlin London
  • WallWorks

  • Museum für Neue Kunst im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) (05 / 02)

  • September-Auktion in Hamburg bei Ketterer Kunst (09.02)

  • Sammlung Goetz - Interview mit Ingvild Goetz (Nov 02)

  • Ausstellungsbesprechung: "SCHWEIGEN" (27.3.03)

  • Nam June Paik Award 2004 (Ausstellung PhoenixHalle / Dortmund: 4.9.-7.11.04)

  • Europäische Kunsthalle Köln (16.3.2005)

  • Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel (30.10.05-12.2.06)

  • Rosemarie Trockel - Museum Ludwig Köln (29.10.05-12.2.06)

  • Schlussbericht: ART COLOGNE - Spitzenverkäufe bestätigen Köln als internationalen Kunstmarktplatz

  • Cerith Wyn Evans - Städtische Galerie im Lenbachhaus, München (25.11.06 - 25.2.07)

  • Zur Halbzeit noch ein Ausflug nach Münster?

  • ELEGANCE - Kölnischer Kunstverein (3.11.-23.12.07)

  • OUT OF TIME - Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen (noch bis 2.3.08)

  • Ad Absurdum - MARTa Herford (18.4.-27.7.08)

  • Maurizio Cattelan - Projekt Synagoge Stommeln 2008, Köln (1.6.-10.8.08)

  • Gregor Schneider erhält Günther-Peill-Preis 2008

  • Annette Kelm - Kunsthalle Zürich (24.1.-26.4.09)

  • Personalien: Yilmaz Dziewior - neuer Direktor im Kunsthaus Bregenz de/en

  • Radical Conceptual - MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

  • Kunstpreis für Thomas Schütte zum Start der 2. Quadriennale

  • Rosemarie Trockel. Verflüssigung der Mutter - Kunsthalle Zürich

  • Animism - Kunsthalle Bern

  • Rosemarie Trockel. Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe - Kunstmuseum Basel

  • Karl Ströher-Preis für Cyprien Gaillard - Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a. M.

  • Rosemarie Trockel

  • Wolfgang-Hahn-Preis KÖLN 2011 an John Miller

  • Rosemarie Trockel

  • MMK 1991-2011. 20 Jahre Gegenwart

  • Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen feiert ihren 50. Geburtstag

  • Why I Never Became a Dancer

  • Erweiterungsbau des Frankfurter Städel Museums

  • Im Raum des Betrachters | Skulptur der Gegenwart

  • 30 Künstler / 30 Räume

  • Atelier + Küche = Labore der Sinne

  • Teilnehmerliste der documenta(13)

  • Ein Wunsch bleibt immer übrig - Kasper König zieht Bilanz

  • Maison de Plaisance. Rosemarie Trockel / Paloma Varga Weisz

  • Von Sinnen. Wahrnehmung in der zeitgenössischen Kunst

  • twitters tages themen kunst

  • Performance Künstlerin Andrea Fraser erhält Wolfgang-Hahn-Preis 2013

  • Rosemarie Trockel A Cosmos

  • Liebe ist kälter als das Kapital

  • Thea Djordjadze. november

  • Andrea Büttner

  • Frauen - Liebe und Leben. Sammlung Klöcker

  • So Much I Want to Say: Von Annemiek bis Mutter Courage

  • art news today

  • Das Glück kommt aus dem Nichts. Werke aus der Slg. Wilhelm Otto Nachf.

  • When now is minimal

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