Grant Mooney. sum
29.03. - 20.09.2026 | Museum Abteiberg, Mönchengladbach
Eingabedatum: 30.03.2026

Die skulpturalen Werke des US-amerikanischen Künstlers Grant Mooney zeigen eine Dimension von Material, die Materialität nicht als autonome Eigenschaft eines Stoffs begreift, sondern vielmehr als Effekt eines Gefüges, in dem materielle, körperliche und diskursive Kräfte ineinandergreifen und sich gegenseitig hervorbringen. Materie ist hier nicht passiv geformt, sondern wirkt selbst formgebend und erzeugt Bedeutung. Sie ist gewissermaßen eine aktive Mitspielerin in ästhetischen Erkenntnis- und Erfahrungsprozessen.
Die Ausstellung sum ist die erste Museumsausstellung des Künstlers in Europa und zugleich eine Einzelausstellung, die sich in ein Projekt mit Werken anderer Künstler:innen erweitert. Mooney erzeugt mit seinem beziehungsreichen Skulpturenbegriff ein Feld aus Strömungen und Flüssen zwischen Objekten aus der Sammlung des Museums Abteiberg, ausgewählten historischen Werken und Arbeiten anderer zeitgenössischer Künstler:innen. Durch diese generationsübergreifende Konstellation untersucht sum das Verhalten von Materialien seit den 1960er Jahren und reflektiert über die Entwicklung von skulpturaler Praxis der Gegenwart.
Die Ausstellung rückt Transformationsprozesse in den Vordergrund und offenbart vielschichtige Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen Materialien, während diese sich von Substanz zu Form wandeln. Die daraus resultierende Anordnung regt dazu an, grundlegende Kategorien der minimalistischen Skulptur und des Konzeptualismus wie Gewicht, Dichte und Masse neu zu denken – nicht als feste Eigenschaften, sondern als Zustände, die durch immaterielle Kräfte wie biochemische Prozesse und atmosphärische Veränderungen geprägt sind.
Interessiert an Fett als ein Material, das über seine soziale Bedeutung oder seinen stigmatisierten Zustand hinausgeht und als physikalischer Wirkstoff an Prozessen der Energiespeicherung, des Wärmeerhalts und physiologischen Reparatur beteiligt ist, erinnert die Ausstellung an Rückstände von Joseph Beuys’ Plastik Unschlitt/Tallow (1977) im Museum Abteiberg, die dort von 1982 bis 1996 zu sehen war, sowie an seine Fettecken und Fettwinkel. Fett und seine Mischungen sind Materialien, die Wärme im Körper erzeugen und speichern und bei Beuys die kristallinen Raumgrenzen aufweichen und Veränderungen vorbereiten. Als Silberschmied und Verarbeiter von Metallen spielt bei Mooney das Wechselspiel zwischen Kälte und Wärme sowie das dazwischenliegende Potenzial der Transformation eine ähnliche Rolle wie in Beuys‘ Wärmebegriff – ein Prinzip, das dialektisch angelegt ist und stets Körper und Geist, Sinnliches und Übersinnliches, Leben und Bewegung, Denken und Veränderung und damit die eigentliche plastische Energie verbindet.
sum versammelt eine Vielzahl skulpturaler Praktiken und Verfahren, wie Schmelzen, Gießen, Schweißen, Löten, (Zer-)Schneiden, sowie plastische Prozesse. Diese berücksichtigen die Kräfte, die unsere physische Welt bestimmen, jedoch häufig unsichtbar bleiben, wie etwa Energie, Schwerkraft und Magnetismus. Diese Kräfte werden in der Ausstellung zu Substanzen, die Form und Bedeutung und das Arrangement an Werken mitbestimmen. So wird ein Materialverständnis zum kuratorischen Prinzip.
Ähnlich verhält es sich mit Mooneys Installation sphere music – einer gemeinsam mit der Chisenhale Gallery in London produzierten Werkgruppe, die Luft und ihre Bewegung als Substanz in den Fokus rückt. Protagonistin dieser Arbeit ist eine vom Künstler entworfene Harfe auf dem Dach des Museums, die nicht durch Berührung, sondern durch die elementare Kraft der Luft in Schwingung versetzt wird. Wie dieses Instrument geben auch die anderen Werke auf unterschiedliche Weise Handlungsmacht ab. Sie öffnen sich der Auflösung und Transformation.
Das Dazwischenliegende, Flüchtige und Unmessbare wird zu einem Bezugspunkt. Materialien und Formen, Absichten und Zufälle wirken in dieser Ausstellung gleichermaßen an der Formwerdung mit – sie artikulieren neuartige sinnstiftende Kräfte und Bewegungen.
Grant Mooney (geb. 1990 in Seattle, Washington) lebt und arbeitet in New York. Er studierte Kunst am Central Saint Martins College in London und am California College of the Arts in San Francisco. Mooneys Arbeiten waren Teil der Whitney Biennial 2024: Even Better Than the Real Thing, organisiert von Chrissie Iles und Meg Onli, im Whitney Museum of American Art, New York, und waren in Einzelausstellungen in der Chisenhale Gallery, London, UK (2025), an der Wesleyan University, Middletown, CT (2024), Midway Contemporary, Minneapolis (2024), Progetto, Lecce, Italien (2023), Miguel Abreu Gallery (2022/2023) Altman Siegel Gallery, San Francisco (2023 & 2019), Konrad Fischer Galerie, Berlin (2021), Kunstverein Braunschweig (2017), im Rahmen der SECA Art Awards im San Francisco Museum of Modern Art (2017) und im Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco (2015) zu sehen. Seine Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen im Hessel Museum of Art, Bard College, Annandale-on-Hudson, NY (2022), im ICA, Los Angeles (2021), in der Yale Union, Portland (2020), in der Stadtgalerie Bern (2020), im SculptureCenter, New York (2020), Fondation D’entreprise Ricard, Paris (2017), Kunst-Werke Berlin (2017), White Flag Project Library, St. Louis (2016) und Futura Centre for Contemporary Art, Prag (2016) gezeigt.
Mit Laura Aguilar, Olga Balema, Joseph Beuys, Patricia L. Boyd, Wisrah C. V. da R. Celestino, Hanne Darboven, Melvin Edwards, Niloufar Emamifar, Flint Jamison, Jannis Kounellis, Grant Mooney und Winona Sloane Odette, Robert Morris, Ulrich Rückriem, Karin Sander, Takis u.a.m.
Die Ausstellung sum wurde gemeinsam von Alke Heykes und Grant Mooney entwickelt.
Die Ausstellung sum ist die erste Museumsausstellung des Künstlers in Europa und zugleich eine Einzelausstellung, die sich in ein Projekt mit Werken anderer Künstler:innen erweitert. Mooney erzeugt mit seinem beziehungsreichen Skulpturenbegriff ein Feld aus Strömungen und Flüssen zwischen Objekten aus der Sammlung des Museums Abteiberg, ausgewählten historischen Werken und Arbeiten anderer zeitgenössischer Künstler:innen. Durch diese generationsübergreifende Konstellation untersucht sum das Verhalten von Materialien seit den 1960er Jahren und reflektiert über die Entwicklung von skulpturaler Praxis der Gegenwart.
Die Ausstellung rückt Transformationsprozesse in den Vordergrund und offenbart vielschichtige Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen Materialien, während diese sich von Substanz zu Form wandeln. Die daraus resultierende Anordnung regt dazu an, grundlegende Kategorien der minimalistischen Skulptur und des Konzeptualismus wie Gewicht, Dichte und Masse neu zu denken – nicht als feste Eigenschaften, sondern als Zustände, die durch immaterielle Kräfte wie biochemische Prozesse und atmosphärische Veränderungen geprägt sind.
Interessiert an Fett als ein Material, das über seine soziale Bedeutung oder seinen stigmatisierten Zustand hinausgeht und als physikalischer Wirkstoff an Prozessen der Energiespeicherung, des Wärmeerhalts und physiologischen Reparatur beteiligt ist, erinnert die Ausstellung an Rückstände von Joseph Beuys’ Plastik Unschlitt/Tallow (1977) im Museum Abteiberg, die dort von 1982 bis 1996 zu sehen war, sowie an seine Fettecken und Fettwinkel. Fett und seine Mischungen sind Materialien, die Wärme im Körper erzeugen und speichern und bei Beuys die kristallinen Raumgrenzen aufweichen und Veränderungen vorbereiten. Als Silberschmied und Verarbeiter von Metallen spielt bei Mooney das Wechselspiel zwischen Kälte und Wärme sowie das dazwischenliegende Potenzial der Transformation eine ähnliche Rolle wie in Beuys‘ Wärmebegriff – ein Prinzip, das dialektisch angelegt ist und stets Körper und Geist, Sinnliches und Übersinnliches, Leben und Bewegung, Denken und Veränderung und damit die eigentliche plastische Energie verbindet.
sum versammelt eine Vielzahl skulpturaler Praktiken und Verfahren, wie Schmelzen, Gießen, Schweißen, Löten, (Zer-)Schneiden, sowie plastische Prozesse. Diese berücksichtigen die Kräfte, die unsere physische Welt bestimmen, jedoch häufig unsichtbar bleiben, wie etwa Energie, Schwerkraft und Magnetismus. Diese Kräfte werden in der Ausstellung zu Substanzen, die Form und Bedeutung und das Arrangement an Werken mitbestimmen. So wird ein Materialverständnis zum kuratorischen Prinzip.
Ähnlich verhält es sich mit Mooneys Installation sphere music – einer gemeinsam mit der Chisenhale Gallery in London produzierten Werkgruppe, die Luft und ihre Bewegung als Substanz in den Fokus rückt. Protagonistin dieser Arbeit ist eine vom Künstler entworfene Harfe auf dem Dach des Museums, die nicht durch Berührung, sondern durch die elementare Kraft der Luft in Schwingung versetzt wird. Wie dieses Instrument geben auch die anderen Werke auf unterschiedliche Weise Handlungsmacht ab. Sie öffnen sich der Auflösung und Transformation.
Das Dazwischenliegende, Flüchtige und Unmessbare wird zu einem Bezugspunkt. Materialien und Formen, Absichten und Zufälle wirken in dieser Ausstellung gleichermaßen an der Formwerdung mit – sie artikulieren neuartige sinnstiftende Kräfte und Bewegungen.
Grant Mooney (geb. 1990 in Seattle, Washington) lebt und arbeitet in New York. Er studierte Kunst am Central Saint Martins College in London und am California College of the Arts in San Francisco. Mooneys Arbeiten waren Teil der Whitney Biennial 2024: Even Better Than the Real Thing, organisiert von Chrissie Iles und Meg Onli, im Whitney Museum of American Art, New York, und waren in Einzelausstellungen in der Chisenhale Gallery, London, UK (2025), an der Wesleyan University, Middletown, CT (2024), Midway Contemporary, Minneapolis (2024), Progetto, Lecce, Italien (2023), Miguel Abreu Gallery (2022/2023) Altman Siegel Gallery, San Francisco (2023 & 2019), Konrad Fischer Galerie, Berlin (2021), Kunstverein Braunschweig (2017), im Rahmen der SECA Art Awards im San Francisco Museum of Modern Art (2017) und im Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco (2015) zu sehen. Seine Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen im Hessel Museum of Art, Bard College, Annandale-on-Hudson, NY (2022), im ICA, Los Angeles (2021), in der Yale Union, Portland (2020), in der Stadtgalerie Bern (2020), im SculptureCenter, New York (2020), Fondation D’entreprise Ricard, Paris (2017), Kunst-Werke Berlin (2017), White Flag Project Library, St. Louis (2016) und Futura Centre for Contemporary Art, Prag (2016) gezeigt.
Mit Laura Aguilar, Olga Balema, Joseph Beuys, Patricia L. Boyd, Wisrah C. V. da R. Celestino, Hanne Darboven, Melvin Edwards, Niloufar Emamifar, Flint Jamison, Jannis Kounellis, Grant Mooney und Winona Sloane Odette, Robert Morris, Ulrich Rückriem, Karin Sander, Takis u.a.m.
Die Ausstellung sum wurde gemeinsam von Alke Heykes und Grant Mooney entwickelt.
29.03. - 20.09.2026
Museum Abteiberg
Abteistraße 27 / Johannes-Cladders-Platz, 41061 Mönchengladbach
Presse
Kontext
Einordnung:Grant Mooneys Werk verortet sich an der Schnittstelle von Post-Minimalismus und radikalem Neomaterialismus, indem es Materie nicht als passiven Werkstoff, sondern als aktiven, formgebenden Akteur begreift. Im direkten intergenerationellen Dialog mit Positionen der 1960er-Jahre – wie dem thermodynamischen Wärmebegriff und den Fett-Plastiken von Joseph Beuys, den Anti-Form-Ansätzen von Robert Morris oder der Arte Povera eines Jannis Kounellis – überführt Mooney historische Diskurse in die Gegenwart. Klassische bildhauerische Verfahren wie Gießen, Schweißen oder Schmelzen dienen hier nicht der Schaffung statischer Objekte, sondern der Sichtbarmachung von Transformation und physischen Zustandswechseln. Indem Mooney zudem unsichtbare Kräfte wie Magnetismus (im Geiste von Takis), Schwerkraft oder Windströmungen als kompositorische Substanzen integriert, dekonstruiert er dogmatische minimalistische Kategorien wie Masse und Dichte. Die Skulptur wird zu einem flüchtigen, prozesshaften Gefüge, das die illusionäre Autonomie des Kunstwerks aufbricht und seine Handlungsmacht an elementare und atmosphärische Prozesse abgibt.








