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Collage - aktuelle europäische Positionen

05.05. - 30.08.2026 | Neue Sächsische Galerie, Chemnitz

Eingabedatum: 09.05.2026

Werkabbildung
Bildtitel 1: Jens Wortmann, ohne Titel, 2025, analoge Papiercollage, 20 x 16 cm
Die Ausstellung zur zeitgenössischen Collage möchte eines der Schmuddelkinder der Kunstgeschichte ins Licht stellen. Ihre Vorteile mögen ihr häufig zum Nachteil gereicht haben. Die Collage ist weitgehend voraussetzungslos – Schere, Kleber und Papier genügen. Notfalls geht‘s auch mit der Hand statt der Schere. Die handwerkliche Voraussetzung erfüllt im Prinzip jeder.

Ihr Reichtum aber in den Ausdrucksweisen, ihre oft große Kenntnis der Bildgeschichte spiegelnde Neigung zur Anspielung und ihre zumeist aus dem Schneiden sich herleitende Ferne zum Pathetischen in Form und Größe machen die Collage als Gegenausdruck zum Marktgeschrei des Spektakulären interessant. Die Nutzung fertiger Bildelemente fördert in Kombination mit der möglichen Produktionsgeschwindigkeit die assoziative, formal stimulierte Bildentwicklung und somit surreale Bildtendenzen, die eine rationale Bildorganisation zugunsten des Intuitiven überwinden. Dieser Bildprozess läuft der sonstigen Ausrichtung des gesellschaftlichen Lebens auf Verfahren, Berechenbarkeit und Wiederholbarkeit entgegen. Die Collage befriedigt Schöpfer wie Schauende, weil eine zurückgedrängte menschliche Seite vehement angesprochen wird.

Jan Brokof, Joanna Buchowska, Sebastian Haslauer, Natalie Huth, Gregor Kunz, Norika Nienstedt, Isabel Reitemeyer, Sabine Rémy, Heidi Sill, Sebastian Vaas, Jens Wortmann, K Young


05.05. - 30.08.2026

Neue Sächsische Galerie

Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz

https://www.nsg-chemnitz.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung verortet die zeitgenössische Collage in der Tradition der historischen Avantgarden wie Dadaismus und Surrealismus, indem sie das Medium als subversive Gegenposition zum marktaffinen Spektakel etabliert. Durch die elementare Technik des Schneidens, Reißens und Klebens greifen Kunstschaffende wie Jan Brokof, Joanna Buchowska oder Heidi Sill auf das Prinzip der Aneignung (Appropriation Art) zurück, um aus vorgefundenem Material neue, assoziative Bildwelten zu generieren. Diese intuitive Montagepraxis überwindet bewusst die rationale Bildorganisation und fungiert als ästhetische Kritik an der zunehmenden Berechenbarkeit und Zweckrationalität moderner Gesellschaftsstrukturen. Der interdisziplinäre Ansatz der Schau, der das Prinzip der Zerstückelung und Neuzusammensetzung durch filmische Referenzen wie bei Godard oder Folman erweitert, begreift die Collage somit nicht nur als vermeintlich anspruchslose Basteltechnik, sondern als eine medienübergreifende Denkfigur der Postmoderne, die Bildgeschichte dekonstruiert und das Irrationale rehabilitiert.
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