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Tipping Points

Kunst über die Kipppunkte unserer Zeit

10.04.2026 - 17.05.2026 | Museum Bensheim, Bensheim

Eingabedatum: 10.04.2026

Werkabbildung
Simon Geis, waste bouquet
Es sind Momente, in denen ein System – über lange Zeit scheinbar stabil – plötzlich umschlägt. Ein Augenblick, in dem das Gleichgewicht kippt. In der Klimaforschung nennt man diese kritischen Schwellen „Tipping Points“: Kipppunkte im komplexen Gefüge unseres Planeten, deren Überschreiten unumkehrbare Veränderungen nach sich ziehen kann. Jenen fragilen Momenten widmet sich nun die Ausstellung „Tipping Points“, die vom 10. April bis 17. Mai im Museum Bensheim zu sehen ist.

Die Gruppenausstellung bringt Studierende und Lehrende der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main zusammen. Im Rahmen des Lehrgebiets Zeichnung untersuchen sie mit künstlerischen Mitteln jene sensiblen Schwellen im Klimasystem, die zunehmend ins Zentrum wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken: das Abschmelzen der Eisschilde, das Kippen ganzer Ökosysteme, das fragile Gleichgewicht von Atmosphäre, Ozeanen und Biosphäre.

Doch statt Diagrammen und Zahlen begegnen Besucherinnen und Besucher hier Linien, Flächen, Fragmente – künstlerische Spuren eines Nachdenkens über planetare Prozesse. In den Arbeiten der jungen Künstlerinnen und Künstler verwandeln sich wissenschaftliche Modelle in visuelle Experimente. Sie machen sichtbar, was sich oft nur abstrakt denken lässt: die Zerbrechlichkeit der ökologischen Balance und die Dynamik eines Systems, das längst global geworden ist.

Dabei bewegt sich „Tipping Points“ bewusst zwischen Disziplinen. Die Ausstellung versteht sich als Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft, von akademischer Forschung und öffentlichem Diskurs. Sie knüpft an eine Tradition der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main an, in der die künstlerische Praxis immer auch gesellschaftliche Reflexion bedeutet – und in der Gestaltung als Möglichkeit verstanden wird, komplexe Fragen unserer Gegenwart sichtbar und erfahrbar zu machen.

So entsteht ein Raum der Auseinandersetzung: mit der Klimakrise, aber auch mit der Rolle des Menschen im globalen Gefüge. Kunst wird dabei nicht zur Illustration wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern einmal mehr zu einem eigenständigen Medium der Erkenntnis. Sie schafft emotionale und intellektuelle Zugänge zu einem Thema, das allzu oft zwischen Alarmismus und Abstraktion gefangen bleibt.

„Tipping Points“ lädt dazu ein, innezuhalten und genauer hinzusehen – auf die Schwellen unserer Umwelt ebenso wie auf jene der Wahrnehmung. Denn vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo das Denken ins Kippen gerät.

Die Ausstellung richtet sich an Besucherinnen und Besucher jeden Alters und versteht sich zugleich als Beitrag zur Umweltbildung. Als Brücke zwischen Hochschule, Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft eröffnet sie neue Perspektiven auf eine der zentralen Fragen unserer Zeit.

10.04.2024 - 17.05.2024
Museum Bensheim, Bensheim

Marktplatz 13, 64625 Bensheim

https://www.stadtkultur-bensheim.de/museum

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung verortet sich präzise im zeitgenössischen Diskurs der Eco-Art und der Kunst des Anthropozäns, welche globale ökologische Krisen ästhetisch verhandeln. Indem die Lehrenden und Studierenden der HfG Offenbach das Medium der Zeichnung in Form von Linien, Flächen und Fragmenten anwenden, rekurrieren sie auf einen erweiterten Zeichenbegriff, der grafische Spuren als kognitive, forschende Werkzeuge begreift. Wissenschaftliche Klimamodelle zu planetaren „Kipppunkten“ werden dabei nicht dienend illustriert, sondern im interdisziplinären Grenzbereich von Kunst und Wissenschaft in neuartige visuelle Experimente überführt. Diese Methodik knüpft an die Tradition gesellschaftskritischer Gestaltung und Konzeptkunst an, in der die Kunst eine eigenständige, epistemische (erkenntnisgenerierende) Funktion übernimmt. So gelingt es den Kunstschaffenden, die hochabstrakte Fragilität unseres Ökosystems jenseits trockener Daten in eine affektive und intellektuell greifbare Formensprache zu übersetzen und die historische Trennung von rationaler Forschung und sinnlicher Wahrnehmung zu überwinden.
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